The Florida Project (Sean Baker, Willem Dafoe)

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    Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Burning.

      The Florida Project (Sean Baker, Willem Dafoe)

      Bewertung für "The Florida Project" 6
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      The Florida Project



      Regie: Sean Baker (Tangerine)
      Drehbuch: Sean Baker, Chris Bergoch
      Darsteller: Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Valeria Cotto
      Genre: Drama
      Laufzeit: 115 Minuten
      Kinostart: 08. Februar 2018 (DE), 06. Oktober 2017 (US), Premiere in Cannes
      IMDB: Klick
      Metacritic: Klick
      Inhalt:
      Der Film erzählt die Geschichte einer Sechsjährigen und ihrer Freunde, die in den Sommerferien die Abenteuer ihres Lebens erleben, während die Erwachsenen um sie herum an den harten Zeiten zu scheitern drohen.





      "No form of art goes beyond ordinary consciousness as film does,
      straight to our emotions, deep into the twilight room of the soul.
      "
      Ingmar Bergman
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „-Makaveli-“ ()

      Interessanter Spagat, dem der Film hier gelungen ist. Einerseits das arglose Leben der Kinder an einem für sie wunderschönen Ort und auf der anderen Seite das knallharte Leben der Erwachsenen in einem billigen Motel in der Nähe von Disneyworld. Ist ne ganz seltsame (im positiven Sinne) Mischung aus Wohlfühlkino und Sozialdrama. Die erwachsenen Schauspieler überzeugen und auch die Kinder sind eigentlich gut, aber ich habe so meine Probleme mit dem Drehbuch. Besonders Moonee sagt häufig Dinge, die aufgesetzt und für mich unglaubwürdig wirken. Redet so ein sechsjähriges Kind? Beziehe mich da haupsächlich auf die ganzen witzigen und frechen Sprüche/Bemerkungen. Ansonsten aber eine "schöne" Geschichte, irgendwie zumindest, falls man das so sagen kann. Irgendwie schon, aber letztendlich eigentlich nicht. Über das Ende lässt sich streiten, ist schon arg abrupt. Das Setting sticht natürlich heraus. Diese ganzen knallbunten Motels und Geschäfte mit den riesigen Figuren... schick und deprimierend gleichzeitig ^^

      Nicht ganz der erwartete Knaller, aber immer noch ein richtig guter Film.

      7,5/10

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „freido“ ()

      The Florida Project

      Oha, da war ich aber mal auf dem völlig falschen Dampfer. Hatte mir vorher keine Inhaltsangabe durchgelesen, keine Kritiken gelesen, sondern nur den Trailer gesehen und der suggerierte mir eher eine familienfreundliche, leise, sympathische Komödie. Aber stattdessen habe ich ein beinahe lupenreines Drama bekommen.

      Zwar gibt es auch Humor in dem Film und der ist auch eher von der leisen Sorte, aber der ist meines Erachtens nur äußerst spärlich gesetzt und ließ mich auch höchstens zwei, dreimal schmunzeln. Die Kinder reißen zwar dauernd Witze, aber eben Witze, über die eben auch nur (oder hauptsächlich) Kinder lachen würden. Das ist aber absolut kein Kritikpunkt meinerseits, sondern eher ein Pluspunkt, weil so alles viel authentischer wirkt. Nicht wie in manch anderen Filmen, bei denen die Kinder viel schlauer sind als die Erwachsenen usw. Nein, das wirkte hier einfach echt und wie aus dem Leben.

      Auch hatte ich am Anfang meine Probleme in den Film reinzukommen. Die ersten zehn, fünfzehn Minuten machten es mir nicht leicht, aber ganz allmählich bekam ich dann ein Gefühl für den Film und seiner Erzählart und dem Rhythmus. Denn den Stil fand ich hochinteressant und im Gesamtbild betrachtet wirkte dann auch der Anfang absolut passend und stimmig.
      Wurde zu Beginn fast ausschließlich aus der Sicht der Kinder das Geschehen verfolgt, wechselte das immer mehr und nach und nach bekamen die Erwachsenen auch immer mehr Screentime. Und als Zuschauer wurde man ebenfalls von den unschuldigen Gedanken weggeholt und mit ernsten Problemen konfrontiert. Das war auch richtig gut gemacht und so war es vermutlich auch ein Glücksfall, das ich mit ganz anderen Erwartungen an die Sache herangegangen bin.

      Die Geschichte selbst empfand ich als sehr traurig, obwohl der Film nicht auf die Tränendrüse drückt und auch nicht mit dem moralischen Zeigefinger auf jemanden zeigt. Lange Zeit wusste ich ohnehin nicht, worauf man jetzt eigentlich hinaus wollte und einen roten Faden gibt es hier auch nicht. Es ist, als würde man ein kleines System für einen gewissen Zeitraum beobachten und den Protagonisten zuschauen, wie sie mit ihren Alltagsproblemen zu kämpfen haben. Aber trotzdem, oder gerade deshalb wirkte der Film auch lange bei mir nach und weil es eben so real erschien, war es umso trauriger.

      Bei den Schauspielern fang ich erst mal bei der kleinen Brooklynn Prince an. Ihr galt gerade am Anfang die meiste Aufmerksamkeit und sie war auch Dreh und Angelpunkt. Ihre Figur ist ein Kind, das einfach nur Kind sein möchte. Sie und ihre Freunde stellen eine Menge Quatsch an, gehen manchen Gästen und vor allem dem Manager gehörig auf die Nerven, wirken aber dabei trotzdem liebenswert und sympathisch. Es macht schon Spaß den Kindern und vor allem Brooklynn zuzusehen wie sie agieren und im Laufe der Spieldauer sieht man auch, das sie mehr kann, als nur süß zu sein.
      Bria Vinaite spielt ihre Mutter und auch von ihr kann ich sagen, das sie mir sehr gut gefallen hat. Sie spielt eine junge Frau aus sehr ärmlichen Verhältnissen und tut wirklich alles dafür, um über die Runden zu kommen. Sie stellt sich dabei nicht immer clever an, ist aufbrausend, flucht gern und bringt sich dabei oft genug selbst in Schwierigkeiten. Dazu benutzt sie ihre Tochter auch immer wieder als Anker, an dem sie sich festhalten kann und aus der sie neue Kraft schöpft. Dabei spielt Vinaite die Mutter sehr authentisch und auch optisch passt sie wie die Faust aufs Auge für eine solche Rolle.
      Und dann war da noch Willem Dafoe, der für mich ja allein auch schon ein Grund war, mir diesen Film anzusehen und auch er hat nicht enttäuscht. Er gibt den Manager des Motels und so eine sympathische Figur habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Er hat das Herz wirklich am rechten Fleck, ihm liegt das Wohl der Kinder stets am Herzen, versucht zu helfen wo es nur geht und drückt auch immer wieder ein Auge zu. Und das obwohl er auch innerlich hin und hergerissen zu sein schien. Er erkennt die Lage von Mutter und Tochter und versucht sie zu unterstützen, obwohl ihm ganz offensichtlich so manche Erziehungsmethode nicht gefällt. Und dazu ist er noch einer, der nicht wegschaut, wenn es mal ernst wird. Wirklich, ein richtig toller Charakter von denen es noch viel, viel mehr geben sollte und Dafoe spielt ihn einfach perfekt.

      Hinzu kamen noch ein paar richtig tolle Einstellungen, gute Schnitte und eine schöne Farbgestaltung. Alles wirkte irgendwie bunt und farbenfroh und gleichzeitig so blass und trostlos. Es wurde nichts gekünstelt dargestellt, nichts übertrieben oder aufgesetzt in Szene gesetzt. Wie alles in dem Film, einfach sehr authentisch.

      Also, gerade weil ich eigentlich was ganz anderes erwartet hatte, hat mich The Florida Project wirklich positiv überrascht und ich denke, ich würde ihn als eine Mischung aus Shameless und Moonlight beschreiben. Ein sehr interessant gedrehter Film mit tollen Darstellern und einer Geschichte die vermutlich genauso faszinierend wie alltäglich ist. Nach einem schweren Einstieg wollte ich gar nicht mehr wegsehen und ehrlich gesagt hätte er wegen mir auch gerne noch länger gehen dürfen. Zudem sei noch zu erwähnen, das das Ende einfach stark inszeniert wurde.
      Ein herzzerreißender Film über Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut meinte, darüber wie zerbrechlich doch vieles ist und auch darüber wie es ist, wenn einen die Realität dann schließlich doch einholt. Zumindest waren das die Dinge, die ich in dem Film gesehen habe.
      Ganz Klasse, absolute Empfehlung.

      8,5 von 10 Punkten
      Die 6 Jahre alte Moonee (Brooklyn Prince) lebt zusammen mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite) in einem Motel in Florida, ganz in der Nähe von Disney World. Die Verhältnisse der beiden sind ärmlich und sie zählen zu den gesellschaftlich Abgehängten. Während Moonee den Sommer mit ihren gleichaltrigen Freunden verbringt und allerlei Blödsinn anstellt, muss Halley jede Woche darum kämpfen, die Miete aufzubringen. Dabei sieht sie sich gezwungen, auch illegale Wege zu beschreiten. Motel-Manager Bobby (Willem Dafoe) muss einerseits auf sein Geld bestehen, sorgt sich aber andererseits um das Wohl der jungen Mutter und ihrer Tochter.

      Es gibt Filme, bei denen man die vielen Oscar-Gewinne nicht wirklich versteht. Dazu zählt "Shape of Water". Und dann gibt es Filme, die bei den Oscars praktisch untergehen, was man ebenso wenig versteht. Hierzu zählt "The Florida Project", der – zumindest für mich – zusammen mit "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" zu den diesjährigen Kino-Highlights zählt.

      Wir erleben den Film größtenteils aus der Perspektive der 6-jährigen Moonee und ihrer Freunde. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass in vielen Szenen die Kamera lediglich auf der Höhe der Kinder arbeitet. Jungdarstellerin Brooklyn Prince liefert zusammen mit ihren gleichaltrigen Kollegen eine sehr glaubwürdige und authentische Performance ab. Die Kinder sind frech, charismatisch und putzig, betteln bei den wohlhabenden Touristen um Geld, kaufen und teilen sich anschließend Eis, bespitzeln die Nachbarin beim Sonnenbad, erkunden verlassene Hotel-Gebäude und bauen allerlei Mist. Als Zuschauer hat man bei all diesen kleinen Abenteuern seinen Spaß, hat aber stets im Hinterkopf, vor was für einem trostlosen und deprimierenden Hintergrund das alles eigentlich stattfindet. Und so schlagen in den letzten Szenen mit Moonee die Emotionen auch erbarmungslos zu.

      An der Seite von Brooklyn Prince spielt Bria Vinaite, die praktisch eine Laiendarstellerin ist, ihre Rolle aber problemlos stemmt. Die junge Mutter ist vulgär, anstrengend, beratungsresistent und anstrengend, kurzum also ziemlich assozial. Die Umstände allein heben das auch nicht auf, was dazu führt, dass man sie als Zuschauer recht oft am liebsten schütteln würde. Doch dem Film gelingt ein wundervolles Kunststück, indem zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran aufkommen, dass Halley ihre Moonee aufrichtig liebt. Die Mutter versucht – trotz der schwierigen Situation – ihrer Tochter ein möglichst schönes Leben zu ermöglichen und es ist teilweise erschreckend, welche Grenzen sie dafür überschreitet.

      Den starken Cast vervollständigt Willem Dafoe. In der Regel spielt er ja eher Figuren, die psychisch nicht ganz stabil sind und gewisse mörderische Anwandlungen haben. Ganz anders ist es in "The Florida Project". Motel-Manager Bobby ist natürlich darauf bedacht, seinen Laden am Laufen zu halten und sämtliche Mieten zu bekommen. Doch er hat ein großes Herz und in vielen Szenen versucht er auf ganz wundervolle Art und Weise, sich um Halley und die kleine Moonee zu kümmern. Es wirkt so, als würde Bobby gerne in eine Art Vaterrolle schlüpfen, was er letztendlich aber natürlich nicht kann. Und so ist auch er am Ende machtlos gegenüber der Situation und der Armut der Menschen um ihn herum. Willem Dafoe meistert diese großartige Rolle mit seiner sehr subtilen und angenehmen Darbietung.

      "The Florida Project" hat keine klassische Story zu bieten. Vielmehr geht es um eine Reihe von Momentaufnahmen aus dem Leben bestimmter Charaktere, die lose miteinander zusammenhängen. Möglichkerweise kann man das beim Film kritisieren, ich jedoch wurde total in diese Welt gezogen und habe alles um mich herum vergessen. "The Florida Project" ist eine gefühlvolle Milieustudie, die von den harten Kontrasten lebt. Als Setting dienen größtenteils die lachhaft bunten Kulissen der Motels, die wohl ursprünglich für Touristen gebaut wurden, nun aber als Wohnungen für die Armen dienen. Disney World und der damit verbundene, milliardenschwere Superkonzern schwingen stets im Subtext mit und so wird das perverse kapitalistische Wirtschaftssystem verdeutlicht, in welchem einige wenige Sieger und sehr viele Verlierer produziert werden.

      Ich spreche für "The Florida Project" eine klare Empfehlung aus und verteile 9 von 10 Popcornguys!
      "Auf nach Disney World" - Der Traum eines jeden Kindes ist für die 6-Jährige Moonee so nah, doch auch so fern. Zwar lebt sie mit ihrer Mutter in direkter Nähe zum 1965 als "Florida Project" vorgestellten und 1971 dann eröffneten "Disney World", doch ein Besuch des Freizeitparks ist für die am Existenzminimum lebende kleine Familie absolut utopisch. In einer bunten Motel-Anlage in direkter Nähe zum Park lebend, ist ihre Mutter viel mehr damit beschäftigt, dass die beiden irgendwie um die Runden kommen. Auch wenn die Umstände für Moonee nicht leicht sind, schafft sie es mit ihren Freunden und kindlichen Ansichten den Alltag bunt und fröhlich zu gestalten. Dabei wird reichlich Schabernack getrieben und das Wortrepertoire der Kleinen entspricht nicht immer jugendfreien Richtlinien. Der Film folgt dabei keinen bestimmten roten Faden, sondern fungiert als Blick durch das Fenster hin zu der weniger privilegierten und wenig beachteten sozialen Schicht in den USA. Mit farbigen und tollen Einstellungen wird dabei ein Kontrast zwischen dem dristen Leben und der Lebensfreude Moonee's dargestellt. Das Motel und deren Umgebung kann man fast als weiteren Charakter des Films bezeichnen. Da bis auf Willem Dafoe nur Laien oder unbekannte Schauspieler für die Rollen besetzt wurden und der Film sich besonders auf die Blickwinkel der Kinder konzentriert, sprüht dieser nur so vor Authenzität. Es fühlt sich einfach alles so echt und nahbar an. Ein traurig-schöner Streifen mit einem gefühlvollen Ende. Unbedingt anschauen!!

      ​8/10
      Wunderschöner Film über das Kindsein und die außergewöhnlichen Umstände dieser Mutter und ihrer Tochter. Probleme am laufenden Band, von der Hand in den Mund und Woche zu Woche lebend, weiß zumindest die Tochter, das Beste aus der Situation zu machen, mit viel Spaß und Liebenswürdigkeit (trotz Verzogenheit) und einer gehörigen Portion Humor, erzählt The Florida Project auf beeindruckende Art und Weise, was es in den USA heißt als sogenannte Abgehängte zu leben. Die täglichen Abenteuer der Kinder waren schön inszeniert, vor allem klasse, dass hier die Kamera etwas niedriger war und man so quasi durch ihre Augen das Geschehen verfolgen konnte. Auf der anderen Seite waren dann natürlich die völlig erschütternden Eskapaden der Mutter, auch wenn sie trotz allem eine "liebenswerte" Seite hatte, so sehr wie sich um Moonee kümmerte und alles bereit ist zu tun.

      Als wirklich positiver Gegenpol fungierte Willem Dafoe, der im Alter auch immer besser spielt, der auf der einen Seite versuchte das Richtige zu tun, auf der anderen Seite aber auch sein Motel am laufen halten muss und somit natürlich nicht alles durchgehen lassen kann. Zusammen mit Moonee, war er wohl eindeutig das hellste Licht in diesem im Grunde endlos düsteren Film, der einem über weite Strecken ziemlich an die Nieren geht.

      The Florida Project ist zugleich traurig, berührend und verstörend. Mit Brooklynn Prince wurde die perfekte Jungdarstellerin gecastet und mit Bria Vinaite auch die perfekt besetzte Mutter gefunden - und das obwohl beides Laien-Darsteller sind.


      8/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: <3
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