Hereditary - Das Vermächtnis (Toni Colette, Gabriel Byrne)

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    Es gibt 64 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Hockenberry.

      Zu meinem absoluten Horror Highlight des Jahres möchte ich noch etwas mehr ins Detail gehen.

      Was hat man nicht alles für Lobpreisungen zu diesem Film lesen und hören können. Der schockierendste Horrorfilm der letzten 50 Jahre soll es sein oder er befände sich etwa auf einer Stufe mit Klassikern wie Shining oder The Exorzist. Nun, es steht mir nicht zu über die erste Aussage zu urteilen, da ich kaum alle namhaften ( oder auch eher nur Insidern geläufigen ) Filme im betreffenden Genre aus besagter Zeitspanne gesehen habe, doch trotzdem hege ich arge Zweifel was den Wahrheitsgehalt dieser Aussage betrifft. ;) Worüber ich aber urteilen kann ist der gezogene Vergleich mit den beiden genannten Kultfilmen aus den 70er bzw. 80er Jahren. Hat The Exorzist mir im Kindesalter eine gehörige Angst eingejagt, war Jahre später die Ernüchterung groß als der gleiche Film plötzlich keine besondere Wirkung mehr erzielen konnte. Zumindest in meinen Augen hat der Zahn der Zeit hier deutlich genagt. Ganz anders wiederum bei Shining. Wenn es da draußen so etwas wie den perfekten Horrorfilm gibt, der sich zudem fast ausschließlich auf der psychologischen Ebene abspielt, so führt meiner Ansicht nach kein Weg an die 1980 gedrehte King Verfilmung vorbei. Schockierend, verstörend, zeitlos und für mich knapp vor 2001 Kubricks absolutes Meisterwerk. Bilder die teilweise in Blut getränkten Wandgemälden gleichen und einem jedes mal wieder einen Schauer über den Rücken jagen. Ein Film den ich mir bewusst nicht allzu oft ansehe ( höchstens alle 3 Jahre ), da ich fürchte, dass er sonst seine einzigartige Wirkung verlieren könnte, wenn man ihn zu oft gesehen hat.

      Wie soll bei dieser Ausgangslage ein moderner Horrorfilm auch nur annähernd solch einem Vergleich standhalten. Der Beginn des Films erwies sich dann auch zwar als durchaus interessant und es werden zudem früh einige Bilder präsentiert die einem einen Hinweis darauf geben, dass hier irgendwas nicht ganz so harmlos und normal ist, wie es erscheint, doch das hält sich alles noch im Rahmen und ist nichts was einen schockieren würde. Bis dahin könnte man meinen sei es, bis auf 1-2 Szenen, ein X-beliebiger Film wie so viele andere auch. Das ändert sich jedoch plötzlich ab einer gewissen Stelle im Film auf die mich wirklich nichts hätte vorbereiten können. Als
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      ​​​​​​​die Tochter auf der Party den Kuchen gegessen hat, stellte sich bei mir schon so eine Vorahnung ein, was gleich passieren könnte und so kam es dann ja auch - sie reagiert allergisch auf die Nüsse und es beginnt mit rasanter Geschwindigkeit der Weg zurück. Doch was währenddessen geschieht...was für ein Schock. Unglaublich. Ich habe zwar gesehen was da passiert ist, konnte es jedoch in dem Moment gar nicht fassen und war sicherlich für 1-2 Sek. genauso unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, wie der Sohn hinter dem Lenkrad
      . Und spätestens mit jenem Schlüsselerlebnis wird der Horror von nun an kontinuierlich und unerbittlich immer weiter angezogen bis er sich in einem fulminanten Finale entlädt.

      Die Musik, die Kamera und die Schauspieler sind fantastisch, doch Toni Collette überragt alles. Gebt der Frau bitte den Oscar für diese Darstellung. Der Wahnsinn was sie hier zeigt. Und um abschließend wieder die Brücke zu Shining zu schlagen: Ich würde nicht sagen, dass Hereditary besser ist, aber er kommt verdammt nah heran, näher als alles andere zuvor wenn es um die psychologische Ebene im Horrorfilm geht. Vielleicht werde ich bzw. wird man den Film in einigen Jahren auf eine Stufe mit Kubricks Meilenstein stellen, doch das wird die Zeit erst zeigen müssen. Jedenfalls kann ich mich noch gut an das Gefühl erinnern, als ich zum ersten mal Shining gesehen hatte und wie ich nach dem Film erstmal einige unliebsame Bilder verdrängen musste die mich in den folgenden Nächten beschäftigten. Und so wird es wohl oder übel auch jetzt wieder sein. :whistling:


      Ein auf Film gebannter Alptraum
      ​​​​​​​

      09/10

      Gestern zum zweiten Mal gesehen und ich bin sehr froh berichten zu können, dass er auch noch beim zweiten Mal sehr gut funktioniert hat und mir fast noch besser erschien.
      Wenn man die Geschichte kennt, fallen einem noch mehr Details ins Auge und auch wenn man sich nach dem Film etwas mit der
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      literarischen Figur Paimon beschäftigt
      , wird das sogar noch besser. Mir ging es auf alle Fälle so.

      Bleibe bei meinen 9 Punkten (eher 9,1 als 8,9)