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1917 (Sam Mendes)

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    Es gibt 46 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von The Fiend.

      Komme gerade aus dem Kino.

      Wenn ich den Film kurz zusammenfassen wollte, wäre der Text in etwa so:

      Ein bildgewaltiges Meisterwerk auf Level eines Kammerspiels. Nur, dass die Zahl an wichtigen Schauspielern hier das Kammerspiel ausmacht. Denn der Schauplatz ist die lange Front des brutalen ersten Weltkriegs.

      Der Weg zweier junger Sergeants zum bevorstehenden großen Angriff verlangt Entscheidungen ab und bestraft jede Fehlentscheidung kaltblütig. Wir erleben wie Tausende Männer für wenige Meter bereitwillig in den Tod geschickt werden. Etwas, dass gestandene Männer zum Weinen bringt. Denn alle wollen nur Zuhause bei ihrer Familie sein. Jeder einzelne Soldat in der Menge an Menschen ist ein Einzelschicksal mit einer eigenen Familie, die den Verlust zu verarbeiten hat. Der Begriff 'Fleischwolf' ist der Unbarmherzigkeit des Krieges ein passendes Sinnbild. 1917 schafft es dem Zuschauer klarzumachen, dass hinter jedem jungen Mann, hinter jeder Leiche auf dem Feld, unabhängig von Coleur und Landesangehörigkeit ein eigenes Schicksal steckt, ohne den Wahnsinn der Befehlshaber zu verschleiern.

      Der Film ist quasi ein One-Shot. Es gibt einen sichtbaren Cut. Die Kamera in 1917 ist gewaltig. In den engen Schützengräben und Bunkern hat man hier Kamerabewegung gehabt, dass man sich als Zuschauer ständig fragt, wie die das geschafft haben.

      Die Effekte, die zu sehen sind, sind teils gespenstisch, wenn die Ruinen einer Ortschaft in das ewige Auf und Ab der Leuchtraketen getaucht wird. Praktische Effekte wie die Explosionen tauchen alles in Dreck und Nebel. Gerade eine Szene in einem Bunker sorgt hier für blasse Nasen. Ansonsten sind Special Effects recht rau gesät. Bis auf Besagtes gibt es CGI nur an zwei Stellen, die aber auch nur minimal auffallen. Dass man sich der praktischen Effektkunst verschrieben hat, sorgt für ein raues Gefühl der Situation. Gepaart mit dem One-Shot bildet man hier eine unendliche Szene, die Spannung erzeugt. Man will nicht wegsehen, da man aus jedem Hintergrund das schlimmste befürchtet.

      Und passend zu den rauen Bildern werden die Szenen gewaltig vom Ton unterstützt. Die Musik kann man hier ähnlich zur Handlung perfekt in Akte unterscheiden. Der Spannung aufbauende Hintergrund Sound bis hin zum Orchester an der Front in der der Film eine hoffentlich unsterbliche Szene für die Filmgeschichte geschaffen hat.

      Und dann ist da der Cast.
      Es tummeln sich viele große Namen: Colin Firth, Mark Strong, Benedict Cumberbatch und Moriati Darsteller Andrew Scott. Aber diese sind wohl einfach nur überzeugte Darsteller, die diesem britischem Filmwerk beiwohnen wollten. Alle spielen allesamt jeweils nur zwei Minuten. Die Hauptdarsteller: Dean-Charles Chapman und George MacKay. Letzterer trägt den Film bis zur letzten Minute. Er spielt gut. Nur fällt es schwer mit ihm eine emotionale Beziehung aufzubauen. Es fehlt an Tiefe, da man oft nicht weiß wo seine Figur gerade im Kopf steht.

      Dieses Manko und ein paar Logikfehler in der Geografie schaffen es aber kaum dem Film Abbruch zu tun. Am Ende ist ein Highlight des Jahres herausgekommen und wohl auch eines der Highlights des britischen Films. Eine Sichtung mit Bild und Ton im Kino ist hier jedem ans Herz gelegt.

      Ich erwarte, dass der Film bei den Academy Awards groß abräumen wird.

      9/10

      PS: Mobil zu posten, ist hier mit der Foren-Autokorrektur teils ein Krampf wenn man nochmal an ein Wort muss. xD

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Kaibear“ ()

      Kaibear schrieb:

      der Schauplatz ist die lange Front des brutalen ersten Weltkriegs.


      Du hast mir ihn noch mals viel schmackhafter gemacht als die anderen Kollegen zu vor.
      Es kling so als wenn 1917 genau meinen Geschmack treffen könnte , leider Dauer es etwas bis ich ins Kino komme...die Arbeit die Arbeit die Arbeit
      ist immer schuld!




      "Ich bin der Dude! Und so sollten Sie mich auch nennen, ist das klar! Entweder so, oder seine Dudeheit, oder Duda, oder ... oder auch El Duderino, falls Ihnen das mit den Kurznamen nicht so liegt."
      Könnte ihn Donnerstags alleine gucken gehen, aber keine Lust. Wochenende ist verplant. Dann gehe ich leider erst nächstes Wochenende rein, kann's kaum erwarten.
      Komme frisch aus der Vorstellung. Sam Mendes ("Skyfall", "Jarhead", "American Beauty") liefert hier vermutlich bereits jetzt den
      cinematografisch interessantesten Film des Jahres.

      Quasi ohne harte Schnitte und mit andauernd gleitender Kamera folgen wir zwei Soldaten in den Gräben des Ersten Weltkriegs. Mehr gibt es inhaltlich tatsächlich nicht zu sagen. Das ist filmisch aber so packend und atemberaubend, dass es tatsächlich gar nicht stört, dass "1917" fast ohne weltbewegende Story auskommt. Denn dem Film geht es um eine Momentaufnahme des Grauens und braucht im Grunde keine ausgeklügelten Plots oder dialoglastiges Drama. Allein der Überlebenkampf im Niemandsland zwischen den Stellungen ist großartig, abstoßend und packend.
      Spoiler anzeigen
      Einmal löst eine der zahlreichen Schützengrabenratten eine Drahtfalle aus, dann wieder beobachten die beiden den Kampf zwischen Doppeldeckern bis einer davon schließlich in die Position kracht auf der die Protagonisten gerade stehen, dann wieder wühlen sie sich durch Schlammlawien und Leichen.


      "1917" ist bereits jetzt für 10 Oscars nominiert und das ist für so einen eigentlich eher technischen, stillen Film eher überraschend - zumindest für mich, der wenig von Oscars hält, auch weil da meist dann die "typischen Amidramen" groß abräumen und sie deshalb für mich meist total uninterressant sind.

      Witzig fand ich, dass hier selbst kleinste Nebenrollen mit wichtigen Namen wie Mark Strong, Benedict Chumberbatch oder Colin Firth besetzt sind, während die beiden Hauptdarsteller mir zum Beispiel gar nix sagten.

      9/10


      I am the Doctor!
      Doctor Who?
      Only the Doctor!




      Brief, Befehl, Zielort und los geht’s. Sam Mendes fackelt in „1917“ nicht lange und schmeißt den Zuschauer direkt in den ersten Weltkrieg und heftet ihn dabei unmittelbar an die Fersen der beiden Soldaten William Schofield (Georg MacKay) und Tom Blake (Dean-Charles Chapman). Und unmittelbar heißt ihr im wahrsten Sinne des Wortes unmittelbar. Denn Kamera-Mastermind Roger Deakins heftet sich hier so nah an die Beiden, dass ihre Mission und das Grauen des Krieges unangenehm spürbar werden. Verstärkt wird der Eindruck durch den One-Shot-Effekt, der sich durch den ganzen Film zieht und ihn so in Echtzeit abspielen lässt. Damit wird ein Grad der Immersion erreicht, der phasenweise ob der Geschehnisse unerträglich ist und „1917“ zu einer intensiven Erfahrung werden lässt. Es ist einfach atemberaubend, was hier auf die Leinwand gezaubert wird.

      Matsch, Leichen, Rauch und Matsch. Der Weg der beiden Soldaten ist holprig und von Hindernissen geprägt. Doch wird dabei auch immer wieder versucht, etwas Tiefe in die Figuren zu bringen. Aufgrund der kurzen Zeitspanne für die Exposition kommt das hier definitiv zu kurz. Das sorgt durchaus dafür, dass man mit den beiden nicht hundertprozentig mitfühlt, aber ist ausreichend dafür, dass man mit ihnen leidet. Denn dafür sorgen in erster Linie die Bilder und ihre Reaktionen auf die schrecklichen Erlebnisse. Diese sind nämlich stets ablesbar und offenbaren auch abseits der Kamera-Eskalation sehr starke Momente. Beeindruckend ist dabei vor allem die Leistung von Georg MacKay, der mit jeder Minute des Films zusätzlich zu altern scheint, bei dem, was er erleben muss. Das ist alles so real und schrecklich, dass es nur logisch ist, dass auch das Finale ohne großen Pathos auskommt und offenlegt, was die Geschichte im Kern ist, eine ungemein intensive und erschreckende Erfahrung.

      Meisterhaft inszenierter und immersiver Mikro-Kriegsfilm ohne unnötigen Pathos, aber dafür aber mit ganz viel Matsch.

      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2:
      1917, von Sam Mendes, ist ein unglaublich brillianter Film. Man wird sofort in den Film geschmissen, ohne großartiges Vorgeplänkel. Sofort verfolgt man die beiden Hauptprotagonisten Schofield und Blake, und "verfolgt" ist tatsächlich wortwörtlich gemeint. Mit dem "one-shot", klebt die Kamera förmlich an den Versen der Hauptdarsteller. Das ist so gut gelungen, dass man von der ersten Sekunde an, eine gewaltige Spannung schaffen konnte. Immer wieder hatte ich das Verlangen, mal abseits schauen zu wollen, oder mal über den Schützengraben schauen, was auf der anderen Seite oder um einen drumherum geschieht. Damit bekommt "1917" auch eine ganz andere Intensität, als man das vielleicht erwartet und das tut dem Film unglaublich gut. Man erlangt eine andere Form von Authentizität und irgendwie auch einen anderen, intensiveren, ja sogar mehr psychologischen Blick auf das Erlebte und das schafft der Film, jederzeit zu vermitteln. Das Konzept von Mendes, geht hier voll auf. Es ist kein 1. Weltkriegsfilm, der seinen Fokus auf die Schlachten legt, oder auf unterschiedliche Protagonisten (Engländer, Deutsche, Franzosen), sondern es geht um das Schicksal zweier Soldaten, die einen Auftrag zu erledigen haben. Auf diese Reise nimmt uns Mendes mit und das ist ihm einfach gelungen und er scheitert zu keiner Sekunde an seinen Ambitionen, denn, nur darum geht es in diesem Film.

      Zu der angesprochenen Szene,
      Spoiler anzeigen
      mit der Milch. Da kann man auch darüber hinweg sehen. Als sie auf dem Bauernhof sind, war seine Trinkflasche ja leer. Es war halt einfach passend für die Geschichte, dass er später auf die Französin mit dem Kind stößt und ihr dann die Milch gibt.
      Das kann man auch einfach so stehen lassen.

      Nach dem ich jetzt 2 Nächte drüber geschlafen habe, gebe ich 9 von 10 Punkten.