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1917 (Sam Mendes)

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    Es gibt 59 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dna111.

      Komme gerade aus dem Kino.

      Wenn ich den Film kurz zusammenfassen wollte, wäre der Text in etwa so:

      Ein bildgewaltiges Meisterwerk auf Level eines Kammerspiels. Nur, dass die Zahl an wichtigen Schauspielern hier das Kammerspiel ausmacht. Denn der Schauplatz ist die lange Front des brutalen ersten Weltkriegs.

      Der Weg zweier junger Sergeants zum bevorstehenden großen Angriff verlangt Entscheidungen ab und bestraft jede Fehlentscheidung kaltblütig. Wir erleben wie Tausende Männer für wenige Meter bereitwillig in den Tod geschickt werden. Etwas, dass gestandene Männer zum Weinen bringt. Denn alle wollen nur Zuhause bei ihrer Familie sein. Jeder einzelne Soldat in der Menge an Menschen ist ein Einzelschicksal mit einer eigenen Familie, die den Verlust zu verarbeiten hat. Der Begriff 'Fleischwolf' ist der Unbarmherzigkeit des Krieges ein passendes Sinnbild. 1917 schafft es dem Zuschauer klarzumachen, dass hinter jedem jungen Mann, hinter jeder Leiche auf dem Feld, unabhängig von Coleur und Landesangehörigkeit ein eigenes Schicksal steckt, ohne den Wahnsinn der Befehlshaber zu verschleiern.

      Der Film ist quasi ein One-Shot. Es gibt einen sichtbaren Cut. Die Kamera in 1917 ist gewaltig. In den engen Schützengräben und Bunkern hat man hier Kamerabewegung gehabt, dass man sich als Zuschauer ständig fragt, wie die das geschafft haben.

      Die Effekte, die zu sehen sind, sind teils gespenstisch, wenn die Ruinen einer Ortschaft in das ewige Auf und Ab der Leuchtraketen getaucht wird. Praktische Effekte wie die Explosionen tauchen alles in Dreck und Nebel. Gerade eine Szene in einem Bunker sorgt hier für blasse Nasen. Ansonsten sind Special Effects recht rau gesät. Bis auf Besagtes gibt es CGI nur an zwei Stellen, die aber auch nur minimal auffallen. Dass man sich der praktischen Effektkunst verschrieben hat, sorgt für ein raues Gefühl der Situation. Gepaart mit dem One-Shot bildet man hier eine unendliche Szene, die Spannung erzeugt. Man will nicht wegsehen, da man aus jedem Hintergrund das schlimmste befürchtet.

      Und passend zu den rauen Bildern werden die Szenen gewaltig vom Ton unterstützt. Die Musik kann man hier ähnlich zur Handlung perfekt in Akte unterscheiden. Der Spannung aufbauende Hintergrund Sound bis hin zum Orchester an der Front in der der Film eine hoffentlich unsterbliche Szene für die Filmgeschichte geschaffen hat.

      Und dann ist da der Cast.
      Es tummeln sich viele große Namen: Colin Firth, Mark Strong, Benedict Cumberbatch und Moriati Darsteller Andrew Scott. Aber diese sind wohl einfach nur überzeugte Darsteller, die diesem britischem Filmwerk beiwohnen wollten. Alle spielen allesamt jeweils nur zwei Minuten. Die Hauptdarsteller: Dean-Charles Chapman und George MacKay. Letzterer trägt den Film bis zur letzten Minute. Er spielt gut. Nur fällt es schwer mit ihm eine emotionale Beziehung aufzubauen. Es fehlt an Tiefe, da man oft nicht weiß wo seine Figur gerade im Kopf steht.

      Dieses Manko und ein paar Logikfehler in der Geografie schaffen es aber kaum dem Film Abbruch zu tun. Am Ende ist ein Highlight des Jahres herausgekommen und wohl auch eines der Highlights des britischen Films. Eine Sichtung mit Bild und Ton im Kino ist hier jedem ans Herz gelegt.

      Ich erwarte, dass der Film bei den Academy Awards groß abräumen wird.

      9/10

      PS: Mobil zu posten, ist hier mit der Foren-Autokorrektur teils ein Krampf wenn man nochmal an ein Wort muss. xD

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Kaibear“ ()

      Kaibear schrieb:

      der Schauplatz ist die lange Front des brutalen ersten Weltkriegs.


      Du hast mir ihn noch mals viel schmackhafter gemacht als die anderen Kollegen zu vor.
      Es kling so als wenn 1917 genau meinen Geschmack treffen könnte , leider Dauer es etwas bis ich ins Kino komme...die Arbeit die Arbeit die Arbeit
      ist immer schuld!




      "Ich bin der Dude! Und so sollten Sie mich auch nennen, ist das klar! Entweder so, oder seine Dudeheit, oder Duda, oder ... oder auch El Duderino, falls Ihnen das mit den Kurznamen nicht so liegt."
      Könnte ihn Donnerstags alleine gucken gehen, aber keine Lust. Wochenende ist verplant. Dann gehe ich leider erst nächstes Wochenende rein, kann's kaum erwarten.
      Komisch. Der Film läuft in erschreckend wenig Kinos. Ob die 10 Oscarnominierungen etwas ziehen? Mal schauen.
      Ich bin gespannt auf den Film. Und sehr froh, dass sich Sam Mendes nach den Bond-Filmen wieder etwas künstlerischen Filmen widmet. Der Mann verschwendet doch sein Talent bei hochkommerziellen Filmen.
      Komme frisch aus der Vorstellung. Sam Mendes ("Skyfall", "Jarhead", "American Beauty") liefert hier vermutlich bereits jetzt den
      cinematografisch interessantesten Film des Jahres.

      Quasi ohne harte Schnitte und mit andauernd gleitender Kamera folgen wir zwei Soldaten in den Gräben des Ersten Weltkriegs. Mehr gibt es inhaltlich tatsächlich nicht zu sagen. Das ist filmisch aber so packend und atemberaubend, dass es tatsächlich gar nicht stört, dass "1917" fast ohne weltbewegende Story auskommt. Denn dem Film geht es um eine Momentaufnahme des Grauens und braucht im Grunde keine ausgeklügelten Plots oder dialoglastiges Drama. Allein der Überlebenkampf im Niemandsland zwischen den Stellungen ist großartig, abstoßend und packend.
      Spoiler anzeigen
      Einmal löst eine der zahlreichen Schützengrabenratten eine Drahtfalle aus, dann wieder beobachten die beiden den Kampf zwischen Doppeldeckern bis einer davon schließlich in die Position kracht auf der die Protagonisten gerade stehen, dann wieder wühlen sie sich durch Schlammlawien und Leichen.


      "1917" ist bereits jetzt für 10 Oscars nominiert und das ist für so einen eigentlich eher technischen, stillen Film eher überraschend - zumindest für mich, der wenig von Oscars hält, auch weil da meist dann die "typischen Amidramen" groß abräumen und sie deshalb für mich meist total uninterressant sind.

      Witzig fand ich, dass hier selbst kleinste Nebenrollen mit wichtigen Namen wie Mark Strong, Benedict Chumberbatch oder Colin Firth besetzt sind, während die beiden Hauptdarsteller mir zum Beispiel gar nix sagten.

      9/10


      I am the Doctor!
      Doctor Who?
      Only the Doctor!




      Brief, Befehl, Zielort und los geht’s. Sam Mendes fackelt in „1917“ nicht lange und schmeißt den Zuschauer direkt in den ersten Weltkrieg und heftet ihn dabei unmittelbar an die Fersen der beiden Soldaten William Schofield (Georg MacKay) und Tom Blake (Dean-Charles Chapman). Und unmittelbar heißt ihr im wahrsten Sinne des Wortes unmittelbar. Denn Kamera-Mastermind Roger Deakins heftet sich hier so nah an die Beiden, dass ihre Mission und das Grauen des Krieges unangenehm spürbar werden. Verstärkt wird der Eindruck durch den One-Shot-Effekt, der sich durch den ganzen Film zieht und ihn so in Echtzeit abspielen lässt. Damit wird ein Grad der Immersion erreicht, der phasenweise ob der Geschehnisse unerträglich ist und „1917“ zu einer intensiven Erfahrung werden lässt. Es ist einfach atemberaubend, was hier auf die Leinwand gezaubert wird.

      Matsch, Leichen, Rauch und Matsch. Der Weg der beiden Soldaten ist holprig und von Hindernissen geprägt. Doch wird dabei auch immer wieder versucht, etwas Tiefe in die Figuren zu bringen. Aufgrund der kurzen Zeitspanne für die Exposition kommt das hier definitiv zu kurz. Das sorgt durchaus dafür, dass man mit den beiden nicht hundertprozentig mitfühlt, aber ist ausreichend dafür, dass man mit ihnen leidet. Denn dafür sorgen in erster Linie die Bilder und ihre Reaktionen auf die schrecklichen Erlebnisse. Diese sind nämlich stets ablesbar und offenbaren auch abseits der Kamera-Eskalation sehr starke Momente. Beeindruckend ist dabei vor allem die Leistung von Georg MacKay, der mit jeder Minute des Films zusätzlich zu altern scheint, bei dem, was er erleben muss. Das ist alles so real und schrecklich, dass es nur logisch ist, dass auch das Finale ohne großen Pathos auskommt und offenlegt, was die Geschichte im Kern ist, eine ungemein intensive und erschreckende Erfahrung.

      Meisterhaft inszenierter und immersiver Mikro-Kriegsfilm ohne unnötigen Pathos, aber dafür aber mit ganz viel Matsch.

      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2:
      1917, von Sam Mendes, ist ein unglaublich brillianter Film. Man wird sofort in den Film geschmissen, ohne großartiges Vorgeplänkel. Sofort verfolgt man die beiden Hauptprotagonisten Schofield und Blake, und "verfolgt" ist tatsächlich wortwörtlich gemeint. Mit dem "one-shot", klebt die Kamera förmlich an den Versen der Hauptdarsteller. Das ist so gut gelungen, dass man von der ersten Sekunde an, eine gewaltige Spannung schaffen konnte. Immer wieder hatte ich das Verlangen, mal abseits schauen zu wollen, oder mal über den Schützengraben schauen, was auf der anderen Seite oder um einen drumherum geschieht. Damit bekommt "1917" auch eine ganz andere Intensität, als man das vielleicht erwartet und das tut dem Film unglaublich gut. Man erlangt eine andere Form von Authentizität und irgendwie auch einen anderen, intensiveren, ja sogar mehr psychologischen Blick auf das Erlebte und das schafft der Film, jederzeit zu vermitteln. Das Konzept von Mendes, geht hier voll auf. Es ist kein 1. Weltkriegsfilm, der seinen Fokus auf die Schlachten legt, oder auf unterschiedliche Protagonisten (Engländer, Deutsche, Franzosen), sondern es geht um das Schicksal zweier Soldaten, die einen Auftrag zu erledigen haben. Auf diese Reise nimmt uns Mendes mit und das ist ihm einfach gelungen und er scheitert zu keiner Sekunde an seinen Ambitionen, denn, nur darum geht es in diesem Film.

      Zu der angesprochenen Szene,
      Spoiler anzeigen
      mit der Milch. Da kann man auch darüber hinweg sehen. Als sie auf dem Bauernhof sind, war seine Trinkflasche ja leer. Es war halt einfach passend für die Geschichte, dass er später auf die Französin mit dem Kind stößt und ihr dann die Milch gibt.
      Das kann man auch einfach so stehen lassen.

      Nach dem ich jetzt 2 Nächte drüber geschlafen habe, gebe ich 9 von 10 Punkten.
      Ich habe mir 1917 heute angeschaut. Auch wenn ich nicht der größte Fan von Kriegsfilmen bin, so muss ich sagen, dass ich den neuen Film von Sam Mendes einfach großartig finde. Über die technische Seite (Kamera, Kulissen...) brauche ich wohl kein Wort verlieren, die ist unfassbar und wird Kamera sowie Regie mit Sicherheit einen Oscar bringen, aber auch alles andere fand ich mehr als überzeugend.
      Der Film hat mich von der ersten Minute in seinen bann gezogen, in einigen Szenen habe ich mich wirklich dabei ertappt, dass ich kurz die Luft angehalten habe, so intensiv habe ich das auf der Leinwand gezeigte erlebt. Auch schauspielerisch empfand ich den Film als sehr überzeugend, ebenso hat mir der Soundtrack in einigen Szenen eine Gänsehaut beschert. Auch wenn die ein oder andere Szene etwas konstruiert daherkommt, es handelt sich immer noch um einen Film, mich hat es überhaupt nicht gestört.

      Für mich seit Jahren endlich mal wieder ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt.

      10/10


      So, ist bei mir auch schon ein Weilchen her, dass ich 1917 gesehen habe, aber ich musste mich erstmal tagelang über das Kino aufregen, das einfach mal einen kaputten Projektor ins Rennen geschickt hat. Bei einem One Shot-Film, der für seine Optik oscarnominiert ist, ist es ja nicht so schlimm, wenn die ganze Zeit Pixel blinken und dann auch mal rosa Flächen über die ganze Leinwand zu sehen sind. Ich hatte also die 1917 Glitch Art Version gesehen. Habe nun immerhin Rabattgutscheine vom Kino bekommen, wobei es meiner Meinung nach eine Frechheit ist, solch einen Projektor trotzdem laufen zu lassen. Ich habe für Probleme im Kino viel Verständnis, ich war 15 Jahre in der Branche, aber das geht gar nicht. Und es ist was anderes, als wenn ein Herr der Ringe in der Pause vom Teller fällt, weil der Film einfach zu lang ist. Naja, nun denn, kommen wir zu 1917:

      Guter Film. Er konnte mich nicht zu 100% abholen, aber das liegt vielleicht daran, dass ich irgendwann nur noch auf die leuchtenden Punkte aka Lasershow geschaut habe. Schwer zu sagen. Aber rein objektiv betrachtet wurde hier einiges richtig gemacht, die Idee, das per One Shot zu machen, ging gut auf und kam besonders zu Beginn in den Gräben gut zur Geltung. Ich dachte, es würde irgendwann nerven, aber es war eher das Gegenteil: Es fühlte sich absolut organisch an, auch die Perspektivwechsel usw. Gebt Herrn Deakins einen weiteren Oscar, er ist nicht umsonst mein liebster Kameramann, aber hier hat er sich nochmal selbst übertroffen, weil er eben nicht nur mit Winkel und Fahrten punktete, sondern nochmal eien ganz andere Herausforderung gegeben war.


      Der Rest war auch gelungen, ich fand es auch positiv, dass unverbrauchte frische Gesichter für die Hauptrollen genommen wurden. Das gab dem Ganzen einen glaubhaften Anstrich.

      Ansonsten viel schön Matsch, aber genau dies gefiel mir - hier wurde mal eine andere Seite des Krieges gezeigt fernab von den großen Schlachten, die man sonst oft sieht. Eher auf kleinem Raum, und dennoch wurde das Grauen des Krieges sichtbar.

      Dann zur Milch ;-):
      Spoiler anzeigen
      ​Fand ich auch nicht schlimm, denn dass man unterwegs alles an Ressourcen mitnimmt, was man kriegen kann, ist für mich klar. Ja, es war ausgerechnet Milch, aber das passt schon. Ich frage mich nur eher, ob Säuglinge Kuhrohmilch vertragen. Aber auch da sehe ich kein Problem, das ist halt Storytelling.


      Punkte möchte ich nicht vergeben, weil ich 1917 echt gut fand, aber nicht so mitgerissen wurde wie erwartet (teilweise auch echt hohen Erwartungen geschuldet) - was aber wie gesagt an meiner Special Version liegen kann. Aber 8 Punkte würde ich schon geben.
      Wenn die Milch doch nur das größte Problem des Films wäre. Ich pack mal alles in Spoiler, da ich keine großen Schnitte haben möchte *winkwink*

      Spoiler anzeigen
      Das größte Problem des Films ist, dass er so gut wie gar nichts über diesen Krieg erzählt und dabei auch noch völlig formelhaft agiert. Man kann sich ab Minute eins jedes kommende Szenario vorstellen und es tritt später genauso ein. Um diese Klischeebombe aber nicht schon im eigenen Schützengraben hochgehen zu lassen, haben sich Sam Mendes und Roger Deakins einen Kniff überlegt, der darüber hinwegtäuschen soll. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieses künstliche Herbeiführen von schwierigen Bedingungen oftmals mit frenetischem Applaus gefeiert wird. Oscar Best Picture also.

      Das ganze Script ist Hollywood Formel A. Zwei Jungs, der Held und sein dicklicher Sidekick werden auf ihre Reise geschickt und man weiß sofort, dass die Nebenfigur im Laufe des Films das zeitliche segnen wird und der Held es schafft. So ist das nun mal in einem Kriegsfilm aus einem großen Hollywoodstudio. Und schlimmer noch, der Film lässt am entscheidenden Moment auch keinerlei Zweifel. Natürlich sagt Nebencharakter A, dass der Deutsche nicht getötet werden soll, kurz nachdem Leading Man das Gegenteil vorgeschlagen hatte, um genau in diesem Moment vom Deutschen abgestochen zu werden. Als hätten Mendes und Krysty Wilson-Cairns dem Zuschauer einen Elfmeter zugesprochen und den Torhüter gleich weggelassen. Die Helden retten einen Feind und der versucht sie zu töten, damit auch der letzte versteht: Krieg ist die Hölle. So originell, wow (Für sowas würde man Spielberg eins mit der VHS Hülle von Saving Private Ryan überziehen). Danach geht es in den immer gleichen Schritten vorwärts: Unser Held findet einen anderen Zug, der ihm hilft, findet eine Frau, hilft ihr. Ihr wisst es bereits: Krieg ist die Hölle, das Leben ist schön. Mehr hat der Film nicht zu sagen.

      Nichts ist hier lebendig. Dass man für diese Figuren irgendetwas fühlen kann, ist mir ein Rätsel.

      Ok, über den Abzug der Deutschen und deren Fallen, sowie das Töten der Kühe ist noch ein kleiner Versuch vorhanden, etwas über den Krieg auf Distanzen zu erzählen, aber der fällt natürlich in Logikfehlern in sich zusammen bzw. der Inszenierung zum Opfer. Die Milch und ihr Nutzen in einem späteren Moment ist gar nicht das Problem, es darf schließlich noch fiktionalisiert und überspitzt werden. Das Problem ist, dass der Film mir kurze Zeit zuvor noch klar gemacht hat, dass die Deutschen verbrannte Erde hinterlassen, nur um diese eine Kuh zu vergessen, die man für den späteren Moment noch benötigt. Man kann allgemein von Glück sagen, dass die Deutschen offenbar nicht sehr treffsicher waren. Die Szene an der Brücke in dem sich unser Held in bester Indy Manier über den Fluss schwingt, nicht getroffen wird und den besten Schuss seines Lebens abfeuert. Als ihm ein deutscher Soldat direkt entgegengelaufen kommt oder als er beim Angriff querfeldein quasi nichts abbekommt. Ja mei, scheint doch gar nicht so schlimm zu sein, man braucht halt nur Glück für zehn Leben. Ich bin kein Freund davon dem Film irgendetwas von Videospielästhetik vorzuwerfen, aber das strapaziert meinen guten Willen schon sehr.

      Gegen den One-Shot (Es ist ja eigentlich keiner. Der längste Take ist glaube ich 10 Minuten?) habe ich auch nichts, weil erzählte Zeit = erlebte Zeit ein interessantes Mittel für einen Kriegsfilm sein könnte, nur stellt Mendes ihn und die Kamera jeder Zeit in den Mittelpunkt. Ein Beispiel:

      Als Blake erstochen wird, rennt Schofield zu ihm hin und Mendes lässt die Kamera noch einmal völlig erhaben um sie herum kreisen. Das ist kein Moment um mit technischer Versiertheit zu protzen, sondern einer, in dem man den Figuren und den Schrecken des Krieges Respekt zollt. Oder als er die Todesnachricht an Blakes Bruder überbringt und Mendes die Szene nicht für sich stehenlassen kann, sondern nochmal zahlreiche Closeups von Händen, Gesichtern und dem Abzeichen einbaut, damit die Emotionalität mit dem Vorschlaghammer ins Hirn des Zuschauers malträtiert wird. Das ist einfach alles unnötig.

      Unterm Strich erzählt 1917 so gut wie nichts über den ersten Weltkrieg, ist dramaturgisch aus der Mottenkiste und für die Erfahrbarmachung zu fehlerhaft, überzogen und Logikvergessen. Da bleibt nicht viel.
      Jessica, Only Child, Illinois, Chicago
      Kann ich so nicht bestätigen.
      Ich finde die Hauptfigur sogar recht sympatisch, obwohl man auch durch die Realtime kaum was über ihn erfährt .

      Und eine Gleichgültigkeit gegenüber den Figuren konnte ich nicht feststellen. Ich brauche keine kitschige verniedlichung nur um Personen zu mögen oder mit ihnen mitzufiebern. Ich mag aber auch des öfteren unsympathische Figuren in Filmen.
      das waren die beiden Figuren aber sicherlich nicht im Film.

      nun ja
      mit 1917 bringt Sam Mendes einen tollen spannenden Film auf die Leinwand. Das Kino war überraschend gut besucht. Der Film wusste zu begeistern (den Stimmen nach dem Ende des Filmes zu urteilen).

      die cleveren Tricks um die one shot Optik vorzutäuschen gehen auf. Der Film ist von der ersten Minute an spannend und bleibt es bis zur letzten. Die Kamera ist der eigentliche Star. Wie in einem Theaterstück werden die Darsteller platziert um der Kamera den Weg zu ebenem. Vor allem im ersten Teil nutzt man dies auch vollständig aus.

      meine drei Top Szene sind die in der Mine, die lichtsszene in der Ruine und schließlich der run über das Feld. Phänomenal in Szene gesetzt. Bravo dafür. Auch der filmscore weiß zu gefallen.

      einzig im Mittelteil hat der Film eine kurzen Hänger. Die

      Spoiler anzeigen
      Baby Szene hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen.


      ansonsten bin ich sehr begeistert von dem Film, obwohl ich Kriegsfilme sonst nicht wirklich mag.

      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :halbstern: :stern2:
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      1917
      Intensiver Einblick in den ersten Weltkrieg... Die Kamera ist immer nah am Geschehen.
      Das ganze im Imax Düsseldorf auf einer 20x10 Meter Leinwand voll ausgefüllt immer am Kampfgraben entlang!
      Verdiente Oscar nomenierungen!




      "Ich bin der Dude! Und so sollten Sie mich auch nennen, ist das klar! Entweder so, oder seine Dudeheit, oder Duda, oder ... oder auch El Duderino, falls Ihnen das mit den Kurznamen nicht so liegt."
      Da war etwas Magie zu spüren. Nicht im Übermaß, aber die Bilderfahrten und der Score von Thomas Newman, der zwischen elektronischen Hans Zimmer'ischen Tiefton-Klängen und gefühlvollem Orchester hin und her wechselt, das ist schon großes Kino. Ja, die Helden tragen eine Schicht Plot-Armour über ihrer Rüstung. Nicht wirklich "gritty", nicht mutig genug den wahren Horror des Kriegs zu beleuchten. Nebenfiguren versprühen einen Hauch NPC-Charakter, viel mehr als den Weg weisen machen sie nicht und es wird ihnen auch keine weitere Bedeutung zugeschrieben. Auf diesem Level bleibt 1917 höchst eindimensional und besinnt sich auf das Spektakel drumherum. Und das klappt einfach. Spätestens am Ende hab ich innerlich "LAUF, Mann, LAUF!" geschrien. :uglylol: Technisch imposanter Kleinkriegsfilm der einzig und allein von seiner Choreografie lebt und in dieser vollkommen aufgeht. Interessant wird es sein, ob es auch im Heimkino funktioniert.

      8 / 10
      Richtig starker Film, der die Dramatik des Ersten Weltkriegs sehr realistisch eingefangen hat, und dessen kraftvoller Score sie einen noch intensiver erleben lässt. Außerdem bietet "1917" tolle Schauspielleistungen und ein beeindruckende Kameraarbeit. Unbedingt, wenn die Gelegenheit noch besteht, im Kino ansehen.

      8/10


      „Wonder Woman 2“

      14. August 2020