Klassiker der Filmgeschichte - Neu interpretiert

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      Klassiker der Filmgeschichte - Neu interpretiert

      Hier soll es um neue Interpratationen bekannter Filmklassiker gehen.
      Und zwar keinesfalls um billigste, reine Trash-Varianten wie "Moby Dick 2010" aus den Asylum-Studios,
      oder als Konödie neu erzählte Filme wie Mel Brooks "Dracula - Tot aber glücklich".
      Nein, ich hätte da gerne etwas ernstere Ansätze, auch wenn es keine großen Hollywood-Produktionen sein müssen.
      Und Bitte keine reinen Remakes, auch wenn diese oft alleine durch den technischen Standard heute teils anders rüberkommen als die Vorbilder.

      Kurz gesagt: Was ich suche sind klassische Filmgeschichten, die sich im Grunde an die Story halten-
      dabei aber bewusst und vielleicht sogar provozierend etwas "wichtiges" an der Geschichte verändert haben.
      Beispiele folgen von mir, wer kennt noch weitere?



      AGE OF THE DRAGONS (MOBY DICK)



      Ishmael und Queequeg sind Jäger, die schon fast alles im Tierreich erlegt haben, und immer auf der Suche nach Abenteuern und Herausforderungen sind.
      Daher werden sie von dem Drachenjäger Stubb (Vinnie Jones) auf der Pequod, einem fahrbaren Schiff unter dem Kommando von Kapitän Ahab (Danny Glover) angeheuert.
      Diesem allerdings geht es nur um einen bestimmten, besonders gefährlichen großen weißen Drachen, welcher vor vielen Jahren seine Schwester getötet hat...

      Die meisten werden es schon bei der Inhaltsbeschreibung gemerkt haben:
      Hier handelt es sich um eine neue Interpretation des Klassikers "Moby Dick", umgesiedelt in eine Fantasy-Welt.
      Der Action-Anteil ist leider generell etwas zu kurz geraten, manchmal zieht sich der Film ein wenig in die Länge- ist aber noch im vertretbaren Bereich.
      Natürlich war auch das Vorbild nicht gerade reich an Action, konnte aber mit sehr interessant herausgearbeiteten Charakteren glänzen- was hier eher vernachlässigt wurde.
      (CGI) Tricktechnisch ist erstaunlicherweise alles im grünen Bereich- die Drachen sehen gut aus, und sind auch gut animiert-
      einen so guten Standard bei den Tricks hätte ich nicht erwartet.
      Bei den Darstellern gibt es ebenfalls keine Ausfälle, Vinnie Jones ist zwar verschenkt, da seine Figur nach 30 Minuten vom Drachen knusprig gegrillt wird,
      und Danny Glover taucht überhaupt erst in der zweiten Filmhälfte auf, aber auch der eher unbekannte Rest fällt zumindest nicht negativ auf.
      Nach Logik, oder Erklärungen für manche Punkte (Wie bewegt sich die Pequod, was ist der Antrieb? Wofür braucht man an Land einen Anker?)
      sollte man allerdings nicht suchen, dann wird man hier durchaus annehmbar unterhalten.

      6/10

      BARB WIRE (CASABLANCA)



      Steel Harbour, im Jahre 2017- also damals, zum Dreh des Films in naher Zukunft...
      Der zweite amerikanische Bürgerkrieg tobt seit langem, überall herrscht Chaos- nur Steel Harbour ist noch eine Art neutrale Zone.
      Kopfgeldjäger haben in dieser Zeit viel zu tun und verdienen eine Menge Geld, während das regierende faschistoide Direktorium
      an einer biologischen Waffe arbeitet, welche wie eine Krankheit eingesetzt werden soll um gezielt bestimmte Menschengruppen zu vernichten.
      Barbara Kopetski, genannt Barb Wire, leitet einen Nachtclub in Steel Harbour- und ist nebenbei als Kopfgeldjägerin erfolgreich.
      Eines Tages kommt ihr Ex-Freund Alex mit seiner Frau in ihre Bar und bittet Barb um Hilfe.
      Die beiden gehören inzwischen dem Widerstand an, und seine Frau trägt einen Impfstoff in ihrem Körper, welcher als Gegenmittel gilt.
      Doch in Steel Harbour kann damit niemand etwas anfangen, sie muss unbemerkt über die stark bewachte Grenze der Stadt gebracht werden.
      Barb ist durch ihre Arbeit als Kopfgeldjägerin im Besitz von Kontaktlinsen, welche den gefürchteten Netzhaut-Scan an der Grenze
      und sonstigen Kontrollen umgehen können, und eben diese würden die beiden nun benötigen.
      Doch Barb denkt zunächst nicht im Traum daran, ihrem Ex zu helfen- bis das Direktorium auf ihre Spur kommt und in der Bar erscheint...

      Ja, Barb Wire ist purer Trash. Allerdings schon eher Nobel-Trash, der durchaus auch so gedacht war und unterhaltsam daherkommt.
      Die Story ist samt dem bösen, an Nazis erinnernde Direktorium frech bei Casablanca geklaut und in die "Zukunft" versetzt (der Film ist von 1996)
      bietet also eher wenig neues- kann aber mit der damals schwer angesagten Pamela Anderson (und einem Udo Kier mit Spaß an seiner Rolle) auftrumpfen.
      Keine Frage: Optisch ist Anderson perfekt für diese Comic-Verfilmung besetzt, und das haben die Filmemacher auch reichlich ausgenutzt.
      Es gibt reichlich Kurven, Lack und Leder zu sehen, und natürlich darf die Anderson in ihrer Bar auch einen Strip hinlegen.
      Bis auf ein paar wenige Szenen (Anderson's zum Glück selten eingesetzter Stuntman mit schlechter Perücke ist sichtbar muskulöser als Barb)
      ist das ganze auch weitgehend ordentlich inszeniert und mit stylischer Optik ausgestattet.
      Hier kann man wahlweise die Anderson begaffen, die "ähnlichkeiten" zu Casablanca mitzählen, sich vom Trash berieseln lassen- oder alles zusammen.
      Wer letzteres kann, wird definitiv gut bedient- alle anderen werden hier vermutlich weniger Spaß haben.
      Ich mag den Film- aber ich bin auch ein großer Fan von Casablanca...

      7/10

      MIMIC 3 - SENTINEL (DAS FENSTER ZUM HOF)



      Der junge Marvin hat die durch mutierte Judas-Kakerlaken (Teil 1) übertragene Strikler-Epidemie überlebt,
      ist seitdem aber schwer krank und reagiert höchst allergisch auf diverse Umwelteinflüsse.
      Diese Tatsache fesselt in beinahe komplett in sein Zimmer, welches er, wenn überhaupt, nur kurz und mit Nutzung eines Inhalators verlassen kann.
      Marvin beschäftigt sich daher mit Beobachtung und Fotografie der Umgebung, also dem Innenhof seiner Wohnsiedlung und deren Bewohner.
      Mysteriös wird es, als seine Schwester eines Tages meint, eine Leiche im Gulli entdeckt zu haben. Die Polizei wird gerufen, aber nichts gefunden.
      Doch damit beginnt eine ganze Reihe mysteriöser Dinge:
      Nachbarn verschwinden spurlos, und Nachts schleichen seltsame Gestalten immer ausserhalb der beleuchteten Flächen herum.
      Ist die tödliche Judas-Kakerlaken-Züchtung etwa doch nicht komplett vernichtet worden?

      War der erste "Mimic" inhaltlich zwar nichts tolles, aber immerhin von Guillermo del Toro gedreht und sogar ins Kino gebracht worden,
      konnte der zweite, direkt für den Videomarkt produzierte Teil, in keinem Punkt so wirklich überzeugen.
      Nun also der dritte Film. Man kann zum Inhalt stehen wie man will, aber man hat sich zumindest Gedanken gemacht
      der Reihe etwas neues hinzuzufügen- und wenn auch nur ein Remake vom "Fenster zum Hof" mit Mutanten-Kakerlaken dabei herauskam.
      Trotzdem muss man sagen dass das doch immerhin mal was neues ist.
      Passabel besetzt (in Nebenrollen Amanda Plummer und Lance Henriksen) und gut getrickst, wenn auch das meiste nur im dunklen zu sehen ist.
      Vor allem im letzten drittel des Films gibt es einige blutige Szenen mit den fiesen Viechern.
      "Mimic 3" ist sicher kein Highlight im Horrorgenre, kommt aber angenehm kurz daher (knapp über 70 Minuten) und kann so auch nicht langweilen.
      Deutlich besser als der zweite Teil ist er allemal, gebt den Hitchcock-inspirierten Kakerlaken also ruhig mal eine Chance.

      6/10

      OUTLAND - PLANET DER VERDAMMTEN (ZWÖLF UHR MITTAGS)



      Marshal O'Niel (Sean Connery) ist Sicherheitsbeauftragter auf dem Jupitermond Io, auf welchem Minenarbeiten durchgeführt werden.
      Als eine unerklärliche Serie an tödlichen Unfällen und Selbstmorden beginnt, wird O'Niel misstraurisch und beginnt genauer nachzuforschen.
      Er stößt auf eine Mauer des Schweigens, bestochene Helfer- und und eine mysteriöse, die Arbeitskraft steigernde Droge.
      Diese steigert zwar die produktivität unter den Arbeitern, hat aber bei regelmäßigem Gebrauch äusserst unangenehme Nebenwirkungen:
      Psychotische Schübe und Halluzinationen setzen ein, und sind die Ursache für die steigende Zahl an angeblichen "Unfällen".
      Der Betreiber der Mine versucht O'Niel zu bestechen um wegzusehen, doch dieser weigert sich,
      sucht noch mehr Informationen und versucht Hilfe von den Minenarbeitern und sonstigen Angestellten der Station zu erhalten.
      Allerdings ist niemand ausser einer unbeliebten, nach Io abgeschobenen Ärztin bereit, ihm zu helfen, oder auch nur zuzuhören.
      Seine weiteren Nachforschungen sind den Betreibern der Mine natürlich nicht verborgen geblieben,
      so dass mit der nächsten Nachschub-Fähre bestellte Auftragsmörder an Bord kommen. Nun steht O'Neil alleine gegen alle...

      Outland hat genug eigene Ideen und Änderungen in der Geschichte, um nicht als reines Plagiat von "High Noon" durchzugehen.
      Trotzdem ist die starke ähnlichkeit der Grundhandlung natürlich nicht von der Hand zu weisen, insofern ist eine Erwähnung hier wohl gerechtfertigt.
      Regisseur Peter Hyams hat hier eine durchgehend düstere und bedrohliche Atmosphäre geschaffen,
      welche dementsprechend auch der immer vorhandenen Spannung zuträglich ist.
      Der Cast ist bis in die kleinen Rollen überzeugend besetzt, der Soundtrack passt, die Effekte sind zwar aus heutiger Sicht etwas angestaubt,
      können sich aber immer noch sehen lassen- man bemerkt definitiv, auch anhand der Bauten für den Film, dass hier Geld reingesteckt wurde.
      Ein Science-Fiction-Thriller ohne Weltraumgeballer und (zu) futuristischem Schnickschnack, welcher thematisch ebenso auf der Erde spielen könnte.

      8/10

      UNTER BESTIEN - DER ALTE MANN UND DIE WÖLFE (DER ALTE MANN UND DAS MEER)



      In der Steppe von Kasachstan lebt der alte Schafhirte Kasym zusammen mit der Frau seines verstorbenen Sohnes und dem Enkelsohn Erali.
      Kasym ist ein einfacher, aber erfahrener Mann, dessen Leben aus Fußball, seinen Schafen und der kleinen Familie besteht.
      Als er eines Tages mit seiner Schafherde unterwegs ist, zieht kurz danach ein starker Sturm auf, welcher ihn zwingt unterschlupf zu suchen.
      Erali macht sich große Sorgen und versucht Hilfe zu organisieren- denn es gibt Meldungen über ein gefährliches Wolfsrudel in der Gegend.
      Während das Wetter schlecht für den Menschen ist, sind die Wölfe in ihrem natürlichen Element-
      und sie haben auch schon die Fährte von Kasym und seiner Herde aufgenommen...

      Ein Mann alleine gegen die Naturgewalten und gefährliche Tiere. Die klassische Geschichte vom alten Mann und dem Meer in die Steppe versetzt.
      Der kasachische Film trumpft natürlich mit tollen Naturaufnahmen auf, aber auch Hauptdarsteller Erbulat Toguzakov überzeugt vollkommen.
      Auch der Rest der Besetzung geht in Ordnung, nicht einmal der Enkel ist so nervig, wie Kinderdarsteller es leider oft sind.
      Meint man zu Beginn einem kleinen, ruhig erzähltem Familiendrama zuzusehen, wird der Film mit einsetzen des Sturms schnell spannend und düster.
      In den meisten Szenen kommen echte Wölfe vor, nur selten bemerkt man klassische Attrappen,
      auch weil solche Szenen dann recht geschickt und schnell geschnitten wurden. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben.
      Ärgerlich ist allerdings die deutsche Synchro, diese verdirbt einem gerade am Anfang, als noch relativ viel geredet wird, schon die Lust auf den Film.
      Aber wer versteht schon kasachisch, und gibt sich den Origianalton? Noch dazu, weil keine Untertitel auf der BD enthalten sind?
      Später wird der Film naturgemäß weniger Dialoglastig, so dass dieser Punkt nicht mehr so extrem ins Gewicht fällt.
      Dennoch äörgerlich, ich kann mir vorstellen dass so mancher sich dadurch schon vom Anfang abschrecken lässt-
      und den spannenden Rest des Films, vor allem wie schon erwähnt seine hervorragenden Landschaftsaufnahmen nie zu Gesicht kriegt...

      7/1
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