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Fahrenheit 11/9 (Michael Moore)

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      Fahrenheit 11/9 (Michael Moore)

      FAHRENHEIT 11/9

      Originaltitel: Fahrenheit 11/9
      Regie: Michael Moore
      Drehbuch: Michael Moore
      Darsteller: Donald Trump, Rick Snyder, Barack Obama


      Mit seiner neuen Dokumentation "Fahrenheit 11/9" widmet sich Michael Moore den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps. Er beleuchtet die menschenverachtenden Seiten des milliardenschweren Geschäftsmannes, schreckt aber gleichzeitig nicht davor zurück, die Schuld bei seinen Vorgängern zu suchen. Heraus kommt eine scharfzüngige Abrechnung mit der politischen Klasse und eine düstere Warnung vor der Zukunft der USA.



      Donald John Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten – was soll man dazu sagen? Ich muss ja gestehen, dass ich Ende 2016 über diese Meldung doch einigermaßen überrascht war. Die ersten Wochen und Monate rechnete ich eigentlich damit, dass jeden Moment Alec Baldwin die Maske fallen und das Ganze zu einem riesengroßen TV-Gag erklären wird. Doch das ist ja bekanntlich nicht passiert. Noch viel überraschter als ich scheinen jedoch die Demokraten gewesen zu sein. Deren Veranstaltung am Wahlabend bildet den Einstieg in Michael Moores neue Doku "Fahrenheit 11/9". Siegessicher und selbstgefällig lässt sich Hillary Clinton als erste weibliche Präsidentin des Landes feiern und schmückt sich, um möglichst cool und hip zu wirken, mit entsprechenden Celebrites. Doch das Erwachen bei der Ergebnisverkündung muss ein böses gewesen sein.

      Wie zu erwarten steht Trump im Fokus der Dokumentation. Moore scheut sich nicht, die rassistischen und sexistischen Facetten des Präsidenten zu beleuchten. In beunruhigenden Zusammenschnitten verdeutlicht er außerdem den Zusammenhang zwischen verbaler und physischer Gewalt. Äußerungen Trumps – die sich beispielsweise gegen Schwarze richten oder wie ein Testballon in Richtung Präsidentschaft auf Lebenszeit vorfühlen – enthemmen seine Wählerschaft und führen zu erschreckenden Übergriffen in Wort und Tat. In den letzten Minuten des Films zieht Moore sogar Parallelen zu Hitler und Nazi-Deutschland der 30er Jahre. Historische Muster mögen sich wiederholen, das mag ich nicht bestreiten, allerdings wirken die Vergleiche hier und da recht dick aufgetragen. Aber provokant war Moore ja schon immer. Allerdings würde ich vermerken, dass man meistens dann mit Hitler-Vergleichen über den Gegner herzieht, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Saddam Hussein könnte ein Lied davon singen – hätten sie ihm damals den Strick nicht ganz so eng um den Hals gezogen.

      "Fahrenheit 11/9" ist jedoch keine bloße Trump-Kritik. Das würde dem Thema auch keinesfalls gerecht werden. Wenn man sich so umhört, könnte man ja den Eindruck bekommen, dass Trump für viele das Böse schlechthin ist, das vor allem plötzlich über die USA gekommen ist und nun nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt bedroht. Wenn der Feind so dunkel erscheint, müssen die Helden umso heller gezeichnet werden. Und hier reicht ein Blick in die Twitter-Kanäle mancher Celebrities, um zu erkennen, wie das funktioniert: Die Medien, denen Trump regelmäßig den Krieg erklärt, werden zu Anstalten von Vernunft und Wahrheit erklärt, während man Barack Obama, den viele zu ihrem "true president" erklären, total heroisiert. Beides ist falsch. Zu den Medien sei gesagt, dass sie Trump während des Wahlkampfs profitgierig ausgeschlachtet haben. Und zu Obama komme ich ein paar Zeilen später.

      Moore widmet in seiner Doku einem lokal anmutenden Ereignis besondere Aufmerksamkeit: Der Trinkwasservergiftung in Flint, Michigan. Verantwortung hierfür trägt ein gieriger, republikanischer Gouverneur namens Rick Snyder, der die Schweinerei nicht nur in die Wege leitete, sondern über lange Zeit hinweg auch kaschierte. Die Bleivergiftung von hunderten – zumeisten schwarzen – Kindern und Erwachsenen wurde in Kauf genommen. Die Bewohner von Flint fühlten sich von ihrem republikanischem Gouverneur verraten und hintergegangen. Da waren die Hoffnungen groß, als schließlich der republikanische Obama – damals noch im Amt – anreiste und sich der Sache annehmen wollte. Umso größer war die Enttäuschung, als Obama im Grunde nur das Spielchen mitspielte: Während einer Rede verlangte der Präsident nach einem Glas Flint-Trinkwasser, um die gute Qualität desselben unter Beweis zu stellen. Ein scheues Nippen war alles, was sich Obama traute – und die Nummer wiederholte er während seines Besuchs in Flint einige Male. Moore streut Szenen dieser Tragödie immer wieder ein und macht damit klar, dass es in Amerika nicht unbedingt ein Konflikt zwischen Republikanern und Demokraten ist. Das Land ist gespalten, ein Großteil der Bevölkerung von einer kleinen, elitären Klasse ausgenutzt und abgehängt wird. Man könnte sozusagen Kapitalismus im Endstadium diagnostizieren.

      Moore macht deutlich, dass Trump nur das hässliche Ergebnis einer langen Entwicklung ist, die spätestens mit George W. Bushs Irakkrieg begann und zu welcher auch die Demokraten entscheidend beigetragen haben. Doch die Dokumentation bietet auch Szenen der Hoffnung, wenn es beispielsweise um junge Demokraten geht, die aus dem Volk heraus Politik fürs Volk machen wollen. Optimistisch stimmen auch Schülerproteste, die sich gegen das unheilige Bündnis zwischen politischer Elite und Waffenlobby richten. Ob das jedoch reicht, um die Demokratie in den USA zu retten, kann Moore natürlich nicht beantworten. Man merkt ihm als Zuschauer allerdings an, dass es ihm eine Herzensangelenheit ist und er Angst davor hat, dass sein Land in bürgerkriegsähnlichen Zuständen versinkt. Ich persönlich denke mir – um wieder auf die Wiederholung historischer Muster zurückzukommen – dass wir möglich gerade Zeuge des Niedergangs eines Imperiums werden, wie es in der Geschichte ja schon oft passiert ist.

      Für "Fahrenheit 11/9" als politische Doku, die sich den USA unter Trump und größeren Zusammenhängen widmet, vergebe ich gute 8 von 10 Popconguys und spreche damit eine Empfehlung aus.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „TheKillingJoke“ ()

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