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Hannah und ihre Schwestern

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    Es gibt 1 Antwort in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Snow.

      Hannah und ihre Schwestern


      Hannah and Her Sisters



      Regie: Woody Allen
      Drehbuch: Woody Allen
      Produktion: Robert Greenhut, Charles H. Joffe, Jack Rollins, Gail Sicilia
      Musik: verschiedene Interpreten
      Kamera: Carlo Di Palma
      Schnitt: Susan E. Morse


      Inhalt:

      Zwei Jahre im Leben einer Familie mit Fokus auf den drei erwachsenden Töchtern Hannah, Lee und Holly. Lee lebt mit einem Künstler zusammen, fühlt sich jedoch zunehmend eingeengt. Hannah ist in einer Beziehung mit Elliot, der jedoch beginnt sich in Hannahs Schwester Lee zu vergucken. Holly dagegen trifft nach mehreren erfolglosen Beziehungen zufälligerweise in ihrer Singlephase auf Hannahs Ex-Mann Mickey, der ein Hypochonder, mittlerweile ebenfalls Single und nebenbei noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist. Das Beziehungschaos kann beginnen.


      Besetzung:


      Barbara Hershey
      Mia Farrow
      Dianne Wiest
      Woody Allen
      Michael Caine
      Max von Sydow
      Carrie Fisher
      John Turturro


      Produktionsland:
      USA
      Veröffentlichungsdatum: 16.01.1986
      Laufzeit: 103 Min.


      Wissenswertes:

      - Bei der Oscarverleihung 1987 siebenfach nominiert. Der Film konnte letztendlich drei Trophäen gewinnen ( bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin und bestes Drehbuch ).
      - Woody Allen wollte den Film eigentlich pessimistisch enden lassen, bis er auf Anfrage des Studios, die einen hoffnungsvolleren Ausgang erbaten, die letzte Szene noch umschrieb.
      - Obwohl er nur in wenigen Szenen des Filmes zu sehen ist, bewies Max von Sydow einmal mehr seine Brillanz als Charakterdarsteller. Nach dem filmen seiner emotionalen letzten Szene, die er mit Barbara Hershey vor der Kamera teilte, gab es spontanen Beifall von Cast und Crew.



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      Allen schafft(e) es erneut zu begeistern.

      Der Schauplatz der Geschichte ist, wie sollte es auch anders sein, Woodys Lieblingsdrehort New York und diesmal widmet er seine Aufmerksamkeit drei Schwestern die mehr oder weniger fest im Leben stehen, jedoch deren Alltag aufgrund drohender Ereignisse auf Beziehungsebene durcheinander gebracht zu werden droht. Ein altbekanntes Muster Allens ist es die verschiedensten Charaktere aufeinander prallen zu lassen und zu schauen wie diese sich in ihren neuen Situationen verhalten ( ob sie daran wachsen, zugrunde gehen oder schlichtweg die Flucht ergreifen ). Der Spielplatz für diese Experimente ist, wie schon so oft gesehen ( Der Stadtneurotiker, Manhattan, Machs noch einmal Sam ect. ), das Feld der zwischenmenschlichen (Liebes)Beziehungen. Doch trotz der Tatsache, dass es ein wiederkehrendes Element in Woodys Filmen ist und in vielen Filmen Dreh- und Angelpunkt der Handlung darstellt, wird es erstaunlicherweise nie langweilig, da der meisterhafte Regisseur es versteht nie die exakt selben Figurenkonstellationen erneut zusammenkommen bzw. auftreten zu lassen.

      Die Handlung des Films weiß oft zu überraschen, ist dramatisch aber auch an vielen Stellen extrem witzig. Nachdem Allen sich Mitte der 70er Jahre endgültig vom Slapstick mit seinem letzten großartigen Blödelfilm Die letzte Nacht des Boris Gruschenko verabschiedete und fortan im Genre der Tragikomödie ein neues zu Hause fand, dauerte es nicht lange bis er auch dieser Stilrichtung seinen Stempel aufdrückte. Der Ruf war bald gefestigt und namhafte Schauspieler/Schauspielerinnen standen Schlange. In Hannah und ihre Schwestern gibt es niemanden der mit seiner Darbietung enttäuscht und selbst in den kleinsten Rollen finden sich Größen wie Carrie Fisher oder John Turturro. Doch am meisten hat mich Michael Caine, der hier einen innerlich zerrissenen und zwischen zwei Frauen stehenden Finanzbeamten darstellt, begeistern können. Fantastische Leistung die absolut zu Recht mit dem Oscar gewürdigt wurde. Allen mimt mal wieder das verzweifelte und glücklose Individuum, welches ziellos im Leben dahintreibt, derart gekonnt als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan und wäre nur für diesen Typus von Darstellung geboren worden. Die drei Hauptdarstellerinnen sind wunderbar authentisch, doch neben Dianne Wiest und Mia Farrow sticht Barbara Hershey eindeutig unter diesen dreien hervor.

      Musikalisch gibt es die gewohnte Kost in einem Allen Film, die beinahe ausnahmslos aus klassischen Stücken besteht. So toll ich den Film fand, der auch definitiv in meine Sammlung wandern wird, so schade fand ich zwei Kritikpunkte die hätten vermeidbar sein können. Erstens:
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      Wenn Woody Allen schon einen Schauspieler vom Kaliber eines Michael Caine in seinem Film hat, wäre eigentlich eine gemeinsame Szene zwischen beiden Pflicht gewesen. Aber die Tatsache das es im kompletten Film nicht eine Unterhaltung zwischen den beiden gab fand ich schon etwas enttäuschend.
      Natürlich ist das ein ganz geringer Makel, aber schade war es dennoch. Und zweitens das Ende, auf deren Umstände ich ja schon im Eröffnungspost kurz eingegangen bin. Kennt ihr auch solche Filme wo ihr euch denkt, dass sie 2-3 Minuten zu lang sind und ohne diese besagte zusätzliche Laufzeit das perfekte Ende hätte stattfinden können? Ja, so ist das auch im vorliegenden Film. Im Wissen, dass das Studio Allen um ein versöhnlicheres Ende bat und er es dann auch dementsprechend so filmte, muss ich ganz klar sagen, dass man meiner Meinung nach genau erkennen kann, was hinzugeschrieben wurde weil es leider nicht wirklich zum Film bzw. der vorherigen Szene passt. Und das wiegt dann leider doch "ziemlich" schwer. Wäre direkt nach
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      der letzten Einstellung mit Michael Caine Schluss gewesen und hätten dann die Credits angefangen wäre es eine runde Sache gewesen ( vor allem da diese Szene auf exakt dem gleichen Weg gefilmt wurde wie die Eröffnungsszene des Films und Caine dann sowohl die ersten, wie auch die letzten Worte des Films inne gehabt hätte )
      . Aber so... Hach, ziemlich schade. Aber das zieht den Film trotzdem nicht unter die 8 Punkte Grenze, dafür ist das Gesamtpaket einfach zu gut.

      Wer jedenfalls Filme mag bei denen man über einen bestimmten zeitlichen Abschnitt hinweg als stiller Beobachter in die kleine Welt einer Familie, ihrer Freunde und Liebesbeziehungen und all den damit verbundenen Träumen, Ängsten und Nöten eintauchen kann ist hier bestens bedient.



      08/10