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Midsommar (Ari Aster, A24)

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    Es gibt 43 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Olly.

      Oh je, da haben wir uns gerade erst an Nicolas Winding Refn gewöhnt, wie er seine kranken Fantasien auf der Leinwand auslebt. Und schon kommt der nächste Psycho. :)
      Im Ernst: Toller Film. Herrlich altmodisch in Szene gesetzt. Vielleicht etwas lang geraten, wobei ich mich eigentlich nie gelangweilt habe. Hatte Ähnlichkeit mit dem Suspiria-Remake. Wobei diese Sekte irgendwie... "sonniger" war. Klasse.
      9/10
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      Wobei ich finde das die Filme von Ari Aster doch etwas zugänglicher sind, und auch irgendwie etwas mehr substanz haben als das was Nicolas Winding Refn teilweise bei seinen Filmen so zeigt. Wobei mir das ganze ohnehin nichts ausmacht wenn Regisseure mal etwas anders Filmen als das was man in den letzten Jahren von vielen Hollywood Filmen so vorgesetzt bekommt.

      War jedenfalls gestern bei "Midsommar" im Cinemax und es waren überraschenderweise mehr Leute im Kino als ich es vermutet habe, bis auf das übliche Popcorn geraschel war es auch die ganze zeit über sehr ruhig im Kino was zumindest auch sehr für den Film spricht. Er erzeugt die ganze zeit eine Spannungsvolle Atmosphäre die man so eigentlich nicht in worte Fassen kann, schon die erste viertestunde fand ich ziemlich intensiv dazu wirkt der Score sehr eindringlich mit den gezeigten Bildern.

      Die große stärke des Films ist sicherlich aber auch das er wenig für einen Horrorfilm zeigt, da wo es sein muss wird es expliziert aber vieles wird einem auch selber überlassen und spielt sich mehr im Kopf ab. Gerade bei einigen Szenen hatte ich heftiges Kopfkino was auch meistens nie so richtig aufgelöst wurde. Schön fand ich auch den Cast wobei besonders Florence Pugh herraussticht die sich mit zunehmender Laufzeit in dieser Welt verliert, denke mal spätestens nach "Black Widow" wird sie wohl der nächste große Star.

      Werde jetzt trotzdem noch auf den DC und die Zweitsichtung warten, weil irgendwie fällt es mir auch schwer diesen Film richtg zu bewerten.
      Midsommar

      Bereits Freitag vor einer Woche gesehen und wie schon bei Hereditary mit einer Menge Fragezeichen im Kopf den Kinosaal verlassen um wie bei Hereditary später dieses langanhaltende Gefühl der Euphorie zu verspüren, da mir, mit etwas Abstand, immer wieder neue Details aufgefallen sind, an die man sich erinnert und die das Gesamtbild noch weiter abrunden. Schadet es so vielen Filmen eher, wenn man sich ganz bewusst mit ihnen auseinandersetzt, sie in einzelne Stücke zersetzt um sich anschließend ein ganz persönliches Puzzle daraus zu basteln, entfaltet sich hier die ganze Stärke von Ari Ater´s zweitem, bemerkenswerten Werk.

      Wieder spielt das Thema Trauer, Trauerbewältigung und Schicksalsschläge eine massive Rolle und wieder wird diese gepaart mit einer fremdartigen Mythologie. Zwar gibt es im Storyaufbau durchaus Parallelen zu Hereditary und auch Aster´s Handschrift ist deutlich zu erkennen, dennoch fühlt sich Midsommar komplett anders an. Das fängt schon damit an, dass der Film über die meiste Zeit im Hellen spielt, aber auch, dass die Protagonisten nie wirklich alleine sind und auch die handwerklichen Kniffe sind hier ganz andere. Gerade im letzten Punkt macht Aster in meinen Augen einen geglückten Sprung nach vorne und präsentiert dem Zuschauer Bilder, die ich so noch nicht gesehen habe, auch wenn man gleichzeitig festhalten muss, dass er keine schweren Geschütze auffährt.
      Generell merkt man zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise so etwas wie Effekthascherei. Ganz im Gegenteil. Vieles wird roh und zweckmäßig präsentiert. Kein Hochglanz und keine raffinierten Kamerawinkel, fast so, als würde man ein Theaterstück betrachten.
      Wieder bricht Aster mit sämtlichen Sehgewohnheiten und viele Dinge wirken schon absurd albern und ich muss auch ehrlich sagen, dass es mich schon gestört hat, wenn im Kino gekichert wurde, aber als ich jetzt ein Interview mit dem Regisseur gelesen habe, sagte dieser, dass er sogar hofft, dass die Zuschauer lachen. Seitdem betrachte ich das aus einem anderen Blickwinkel.
      Er möchte sich einfach vom Einheitsbrei und der 0815 Standart Horrorware mit Jumpscares etc. entfernen und das gelingt ihm erneut meisterhaft. Die Bedrohlichkeit die von Beginn an aufgebaut wird ist nahezu greifbar und ich war die ganze Spieldauer extrem angespannt im Kino gesessen. Die Intensität die aufgebaut wird, die Gnadenlosigkeit und die logischen Konsequenzen die resultieren wenn einfach voll durchgezogen wird. Während es andere Filme gibt, die in entscheidenden Momenten eher Mal die Bremse reinhauen um lieber auf Nummer sicher zu gehen, geht Aster meines Erachtens noch einen Schritt weiter. Zu weit? Für manche bestimmt, aber in meinen Augen genau richtig, möchte sogar sagen, notwendig.

      Inhaltlich gefiel mir Hereditary einen Tick besser muss ich sagen. Damit meine ich vor allem, dass mir dieser in sich geschlossener, durchdachter vokam. Mehrere Mechanismen schienen ineinander zu greifen um alles abzurunden. Möchte aber auch nicht ausschließen, dass hier vielleicht eher der Fehler bei mir liegt. Schließlich ist Midsommar auf den ersten Blick genauso undurchsichtig, vollgestopft mit Symbolik und macht sich nichtmal ansatzweise die Mühe dem Zuschauer was auf dem Silbertablett zu servieren. Ob ich mich jetzt nur nicht gut genug in der nordischen Mythologie auskenne oder ob mir einfach Details entgangen sind, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. So oder so wird eine Zweitsichtung folgen und ich bin mir sicher dass mir dann neue Dinge ins Auge springen werden.
      Und nach der Zweitsichtung wird definitiv eine Drittsichtung folgen. Und eine Viertsichtung, eine Fünftsichtung...

      Von den Schauspielern gilt es natürlich in erster Linie Florence Pugh zu erwähnen. Ganz starke Leistung und selten fiel mir das Mitfiebern so leicht. Man leidet mit, ihre Figur ist immer nachvollziehbar und die verschiedenen Gefühlslagen gibt sich stets einwandfrei wieder. Gerne mehr von der Frau.
      Dazu sehe ich Will Poulter auch immer sehr gerne, auch wenn seine Figur nicht über die einer größeren Nebenrolle hinausgeht. Trotzdem gefiel er mir auch hier wieder gut und eigentlich kann man das über sämtliche Akteure sagen.
      Auch wenn man ebenfalls sagen muss, dass hier kein Kaliber wie Toni Colette dabei ist.

      Über das Handwerk hatte ich schon kurz gesprochen, aber trotzdem möchte ich es nochmal erwähnen. Dafür gibt es von mir ganz klar eine 1 mit Sternchen. Allein der Aufbau dieser Welt ist so dermaßen faszinierend, ich wollte diesen Ort nicht wieder verlassen und hätte noch Stunden zuschauen können. Allein was es im Hintergrund alles zu entdecken gibt sorgt für eine extreme Gefahr der Ablenkung. Das fängt mit der Architektur an, geht über Bilder und Schnitzereien und hört bei den Ritualen, die die Bewohner quasi permanent durchführen auf. Dadurch kann man richtig mit den ortsfremden Charakteren mitgehen, weil man die Verwunderung ohne weiteres nachvollziehen kann und auch die Verzweiflung, wenn traditionelle Dinge über das hinausgeht, was wir als gesunden Menschenverstand bezeichnen würden.
      Hinzu kommen manche visuelle Effekte die den Zuschauer auch richtig strapazieren können. In einer Kritik habe ich gelesen: "Und die Welt beginnt zu schwanken." Alleine in diesem kurzen Satz trifft eigentlich schon so viel zu, was man erst richtig begreift, wenn man den Film kennt.
      Und Schlußendlich sorgt noch ein überaus gelungener Score dafür, dass die Atmosphäre und der (wie ich finde) einzigartige Flair perfekt funktioniert.

      Noch kurz zum Thema Gewalt: Also ich muss schon sagen dass ich eine Altersfreigabe ab 16 schon etwas zweifelhaft gegenüber stehe. Es ist keine bluttriefende Splatterorgie, aber wenn es blutig und brutal wird, schreckt man aber auch vor nichts zurück. An manchen Stellen wurde das Wegschauen zu einer echten Option :uglylol:

      Es fällt mir schwer Hereditary mit Midsommar zu vergleichen, auch wenn ich es hier doch ein paar Mal getan habe. Aber beide Filme sind irgendwie so verschieden, dass ich sie auch gar nicht miteinander vergleichen möchte und schon gar keine Rangliste erstellen will. Beide bewegen sich auf nahezu identischen Ebenen und gehören für mich zum besten, was der Horror der letzten Jahre rausgebracht hat.
      Ich kann mir nur wünschen das Aster seinem Stil treu bleibt und auch dem Genre (noch) nicht abtrünnig wird. Es funktioniert einfach nahezu perfekt und es gibt noch so viele Mythen und Legenden auf dieser Welt, die er zu undurchsichtigen Meisterwerken ummodellieren kann. Oder was Eigenes von ihm wäre auch spannend. Man stelle sich nur ein Sci-Fi Film von ihm vor.
      So oder so, der Mann hat es jetzt schon geschafft, dass ich bei seinem nächsten Film auch bedenkenlos zugreifen werde, vollkommen egal was er machen wird.
      Für mich mein bisheriger Film des Jahres, auch wenn mit Joker, Parasite und vor allem The Lighthouse noch ernstzunehmende Herausforderer kommen. :thumbup:

      9 von 10 Flower-Power Punkten

      Überblick über die Versionen und wo sie zu finden sind:

      Versionen
      Kinofassung: ca. 147 Minuten, in Deutschland im 1. Anlauf von der FSK ab 18 Jahren freigegeben, dann in einer Neuprüfung ungekürzt ab 16 Jahren.
      Extended Director's Cut: ca 171 Minuten, in Deutschland noch ohne Prüfung

      Kino-Release
      USA: Kinofassung und Extended Director's Cut
      Deutschland: Nur Kinofassung

      Blu-ray-Veröffentlichungen
      USA: Nur Kinofassung
      Deutschland: Kinofassung und Extended Director's Cut

      DVD-Veröffentlichungen
      USA: Nur Kinofassung
      Deutschland: voraussichtlich nur Kinofassung

      4K UHD-Veröffentlichungen
      USA: keine
      Deutschland: keine
      Italien: Nur Kinofassung auf 4K UHD

      Video on Demand
      USA: Kinofassung (auch 4K) ; Extended Director's Cut exklusiv bei AppleTV (4K unklar)
      Deutschland: bisher nur Kinofassung angekündigt, 4K unklar

      Quelle: schnittberichte.com/news.php?ID=15225

      Faszinierender Überblick, wie ich finde.
      Pure Cagesploitation.