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Das Gespenst der Freiheit

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    Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Snow.

      Das Gespenst der Freiheit


      Le fantôme de la liberté




      Regie:
      Luis Buñuel
      Drehbuch:
      Luis Buñuel / Jean-Claude Carrière
      Produktion:
      Ulrich Picard / Serge Silberman
      Musik: Diverse klassische Stücke ( Brahms, Schumann ect. )
      Kamera:
      Edmond Richard
      Schnitt:
      Hélène Plemiannikov


      Inhalt:


      Ein Ehepaar liegt zu später Stunde im Bett, doch während die Frau bereits das Land der Träume aufgesucht hat,
      plagt sich der Mann, da er partout nicht einschlafen kann. Andernorts hat eine Lehrkraft massive Probleme mit dem Unterricht
      in der Art und Weise fortzufahren, wie es eigentlich vorgesehen ist, während ein Anzugträger sich, während ihm die Schuhe geputzt werden,
      über die falsche und nicht artgerechte Haltung von Tieren echauffiert. Doch Träumen gleich erhascht der Betrachter bei dieser
      Aneinanderreihung von episodenhaften Ereignissen stets nur einen Bruchteil der Szenerie, ehe mitten in Sätzen
      oder Handlungen der Schauplatz gewechselt wird. Und überdies sind dann da noch Toiletten, Mönche,
      Vögel, Panzer, und eine Vielzahl anderer Begebenheiten, die jedoch...


      Besetzung:


      Adolfo Celi
      Adriana Asti
      Jean Rochefort
      Michael Lonsdale
      Monica Vitti
      Michel Piccoli
      Hélène Perdrière


      Produktionsland:
      Frankreich / Italien
      Veröffentlichungsdatum: 11.09.1974
      Laufzeit: 103 Min.


      Wissenswertes:

      -
      Luis Buñuels Meilenstein des surrealistischen Films ist Teil einer lose miteinander verknüpften Trilogie, zu der auch die weiteren
      surrealistischen Meisterstücke Die Milchstraße und Der
      diskrete Charme der Bourgeoisie gehören.
      -
      Luis Buñuel hat in einer Szene einen kleinen Cameoauftritt.



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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Snow“ ()

      Als Buñuel Das Gespenst der Freiheit 1974 in die Kinos brachte hatte er seinen Status als einer der einflussreichsten Regisseure aller Zeiten schon längst zementiert. Mit seinem ersten Werk, dem 1929 veröffentlichten Kurzfilm Der andalusische Hund, eine Offenbarung des Surrealismus in welchem beispielsweise in Großaufnahme einer Frau, die völlig gelassen und bewegungslos direkt in die Kamera schaut, während ihr dabei wie es scheint die Pupille zerschnitten wird, schockierte und begeisterte er gleichermaßen ein Millionenpublikum. Fortan galt sein Interesse oftmals dem unnatürlichen und sich der Logik und dem Sinn entbehrenden Film und es ist keine Überraschung, dass unter anderem Salvador Dali, dessen spätere Werke aufgrund ihrer Machart endlosen Stoff zum diskutieren und interpretieren bereithalten, ein enger Freund Buñuels war, der mit ihm an dem besagten Kurzfilm von 1929 mitarbeitete und dessen Vorliebe für das abstrakte und nicht greifbare sie beide verband.

      Der einzige Surrealist, welcher mir einfällt, der nach Buñuels Ableben im Jahre 1983 quasi dessen Strahlkraft und Experimentierfreudigkeit bis heute auslebt ist David Lynch ( obwohl sein letzter Kinofilm ja inzwischen leider auch schon wieder 14 Jahre zurückliegt ). Zwar gab es auch eine vergleichsweise kurze Schaffensperiode in den 70er bis 80er Jahren in dessen Zeitraum auch andere äußerst experimentell auftretende Filmemacher ( stellvertretend sei an dieser Stelle Alejandro Jodorowsky genannt ) ihre Gedanken freien Lauf ließen, doch war diese Epoche genau genommen so abrupt wieder zu Ende, wie sie auch begonnen hatte ( zwar hatte z.B. Jodorowsky 2013 und 2016 nach langer Zeit mal wieder zwei Filme veröffentlicht, die ich leider noch nicht gesehen habe, doch kommt dieser Veröffentlichungsablauf eher einem punktuellen aufflackern, als einem konstant durchgehendem lodernden Feuer gleich ). Es wäre übrigens natürlich falsch Lynch als Nachfolger Buñuels zu bezeichnen, da letzterer mit seinen Filmen zwar schockieren und Raum für Interpretationen schaffen wollte, aber gleichzeitig dies fast beständig mit einem Unterton des Komischen verband. Der schockierende Gemütszustand des Betrachters und der erstaunte bzw. amüsierte gleichermaßen sollten sich gegenseitig nicht ausschließen, wohingegen sich Lynch später weitaus mehr den Untiefen albtraumhafter Träume widmen sollte ( Lost Highway, Mulholland Drive, Eraserhead ect. ) - als es Buñuel jemals getan hat - bei denen es nicht wirklich viel zu lächeln / lachen gibt. Doch jetzt zum vorliegenden Film.

      Ich möchte eigentlich an dieser Stelle ausnahmsweise gar nicht großartig auf die Story des Films eingehen, da es so etwas wie einen gradlinigen Verlauf mit einem roten Faden hier nicht gibt und ich beinahe ausnahmslos Spoiler setzen müsste, da jedes Wort zu viel den Überraschungseffekt bei der Erstsichtung zerstören würde. Stattdessen möchte ich mich lieber auf die Inszenierung seitens Buñuels konzentrieren. Während des Films gibt es keinen eingespielten Soundtrack und bis auf zwei kurze Ausnahmen in denen jeweils zwei klassische Stücke angespielt werden kommt der Film ohne Musik aus. Dialoge dominieren durchweg das Geschehen und hierüber wird ein essentieller Teil der Komik generiert, da zwar auch ab und zu durch Handlungen das surreale heraufbeschworen wird, doch sind es ganz eindeutig die Gespräche der agierenden Charaktere, die für Reaktionen sorgen. Der Bruch mit der Erwartungshaltung des Zuschauers bzw. mit seiner Vorstellung von gängigen gesellschaftlichen Konventionen ist teilweise so extrem groß, dass man nicht weiß, ob man zuerst erstaunt und sprachlos sein sollte, oder doch lieber kopfschüttelnd in einem lachen übergehen müsste. Die Schnitttechnik ist in manchen Szenen geradezu meisterhaft in Szene gesetzt. Ein einziges Beispiel dazu: So begleiten wir unter anderem für ungefähr 15 Minuten einen Charakter, dessen Sorgen und Probleme wir als Zuschauer sehr eindringlich mitbekommen und es stellt sich schon die Frage wie es mit jenem im Film weitergehen wird, da man gespannt ist in welche Richtung sich dies alles noch entwickeln wird, bis plötzlich die Kamera zu einer anderen Person schwenkt und sich der Fokus augenblicklich verlagert. Von der vorher gezeigten Person, an die wir uns schon gewöhnt hatten, werden wir nun im Verlauf des restlichen Films nie wieder etwas hören oder sehen. Das Schicksal bleibt ungeklärt und ein Mysterium. Grandios!


      Ein Film, welcher sich jeglichen schlüssigen Interpretationen bis heute konsequent verweigert, weil es letztendlich wohl eher um die individuelle Erfahrung des Erlebten, als um den tierfergehenden Sinn hinter alldem geht.


      8,5/10




      @patri-x Ich habe vor einigen Wochen mal ein Post von dir gelesen, wo du eine Alternative aufgezeigt hast, mit der man hier weiterhin Bilder hochladen kann ( ich hoffe ich irre mich jetzt nicht in der Hinsicht^^ ), doch leider kann ich das Post nicht mehr finden. Könntest du mir den Link eventuell bitte noch einmal hier posten, damit ich im Eingangspost das Filmplakat einfügen kann? :) Denn auf normalen bzw. üblichen Weg kann ich es nun nicht mehr hier einbinden, weshalb das Eröffnungspost, dort wo das Plakat vorgesehen war, jetzt leider ziemlich leer ausschaut.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Snow“ ()

      Sicher, dass ich das war? :headscratch:

      Edit: @Snow
      Du kannst im Editor ein Bild einfügen (zweiter Button links von den Emojis, zumindest auf dem Smartphone ist da der Knopf). Fehler bei deinem Link war, dass er nicht direkt zum Bild geführt hat. :) Hab dein Eröffnungsposting mal editiert.

      patri-x schrieb:

      Sicher, dass ich das war? :headscratch:


      Also bis zu deiner nun gestellten Frage war ich mir eigentlich ziemlich sicher. :D Sorry, wenn du es doch nicht warst.


      patri-x schrieb:

      Edit: @Snow
      Du kannst im Editor ein Bild einfügen (zweiter Button links von den Emojis, zumindest auf dem Smartphone ist da der Knopf). Fehler bei deinem Link war, dass er nicht direkt zum Bild geführt hat. :) Hab dein Eröffnungsposting mal editiert.


      Hm, zumindest wenn ich am PC sitze und darüber das Forum aufrufe, sehe ich diesen Button aber nicht ( nicht mehr? ). Dann wird das aufgrund der neuen Richtlinien anscheinend wohl nur noch mit dem Handy möglich sein. Vielen Dank für die Erklärung und für das editieren meines Beitrags. :) Dann weiß ich Bescheid und werde für die zukünftigen Uploads kurzzeitig mit dem Handy ins Forum gehen.