Ambulance (Michael Bay)

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    Es gibt 33 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von SamTrautman.

      Ich glaube ich werde mich mal dem Trash widmen, das härtet ja ab.
      Zwei Lappenbewertungen auf rottentomatoes. Der eine findet es durchschnittlich, der andere absolut beschissen. Ich weiß nicht, ob ich die Abhärtung wirlich brauche. Michael Bay ist wie Uwe Boll quasi, nur optisch besser.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „d3rd3vil“ ()

      Michael Bays neuster Film hat keine Roboter, die ganze Städte in Schutt und Asche legen. Stattdessen eine Gang, die einen 34 Millionen Bankraub plant, der völlig schief läuft und 3 (bzw 4) völlig verschiedene Menschen in er in einem Krankenwagen quer durch die Stadt fahren lässt. Eine Adoption des dänischen Films von 2005.

      Das ungleiche Brüderpaar gespielt von Jake Gyllenhaal und Yahya Abdul-Mateen II. Die taffe Sanitäterin Cam (Eiza González) und der junge Polizist Zach (Jackson White).

      Auf über 2 Stunden verteilt folgt eine Hetzjagd durch die Straßen von L.A..


      Die Action

      Michael Bay ist nicht gerade dafür bekannt, gute Bücher oder Hochwertig-Anspruchsvolle Filme zu machen. Meistens ist es sinnfreie völlig überdrehte Action, mehr als farblose Figuren und viel viel Pattos.

      Mit dem für Bay Verhältnisse relativ günstige 40 Mio Dollar teuren Ambulance, versucht Bay nun nach gefühlt hundert Transformersfilmen und den überdrehten "6 Underground" , wieder etwas Bodenständiger zu werden. Zwar gibt es auch hier Action, doch diese hält sich (auch wenn immer noch an einigen Stellen ziemlich überdreht) angenehm zurück. Es gibt nicht alle zehn Minuten Explosionen und auch die US Flagge ist nicht in Dauerzeitlupe zu sehen.
      Die Hälfte des Films ist quasi fast schon ein Kammerspiel auf engsten Raum, indem sich die Figuren in der eskalierenden Situation zurecht finden müssen.

      So in etwa könnte man das ganze eigentlich wirklich positiv stehen lassen, wenn Bay nicht Bay wäre und im finalen 3. Act das wirklich gute Ausgangsmaterial wieder völlig gegen die Wand fährt, die Action/Explosions Szene hochfahren würde und die eigentlich bisher einigermaßen nachvollziehbar handelnden Figuren plötzlich völlig dumm handeln lässt.
      Nun hagelt es Automarken und das neuste was scheinbar die US Waffenlobby zu bieten hat in Groß- und Zeitlupenaufnahme. Sinnfreie Ballerei, eine noch viel sinnfreie Gangster-Boss Szene und doch noch die von Bay geliebten Explosionen.

      Zum Ende hin bekommt Bay zum Glück noch einmal die Kurve und lässt den Film nicht völlig aus dem Ruder laufen



      Die Figuren

      Figuren waren nie Bays Stärke und auch Drehbuchautor Chris Fedak gibt sich nicht sonderlich viel Mühe, groß Tiefe oder Logik in die Handlung zu bringen.

      Ganz doll bemerkbar macht sich das bei Jake Gyllenhaals Figur, die irgendwie nicht weiß, was Sie wirklich sein will. Mal schon fast Comedyähnlicher Nerd, mal mitfühlender Bruder, dann Psychopath. Die Figur springt ständig je wie es für die Handlung gerade passt hin und her. Gyllenhaal macht das beste daraus und ihm gelingt es, zumindest alles auch ordentlich zu spielen, auch wenn vieles überdreht wirkt.

      Eiza González als taffe Sanitäterin Cam, ist halt das was Bay (oder Hollywood) sich unter der neuen selbstbewusst starken Frau vorstellen. Taff, nicht auf den Mund gefallen und natürlich in jeder Situation noch irgendwie cool. Am Ende gibt es natürlich die unumgänglich kitschige Erläuterung.

      Yahya Abdul-Mateen II als Gegenpart zu Gyllenhaals Figur fungiert als moralisches klassisches Gewissen und Jackson White als sympathischer Polizist, ist nach dem ersten Akt quasi nur noch auf der Trage meist bewusstlos zu erleben.

      Und natürlich gibt es die Nebenfiguren, die jedes Klischee bedienen.

      Der nach außen hart, aber innen softe Einsatzgruppenleiter mit Hundekomplex, die viel zu coole Computer Tante die immer Kontra gibt, der Schwule junge FBI Aufsteiger der zufällig natürlich ne Verbindung zu einem der Kriminellen hat und natürlich der Mafia-ähnliche Gangster-Boss.

      Die Logik

      Lieber nicht drüber nachdenken.
      Wenn die Sanitäterin die kompliziertes Operation überhaupt bei tempo 200 machen muss, nur mit der Hilfe von aus dem Otto-Katalog entsprungen Models, ähm ich meine Ärzten die über Telefon beraten.
      Wenn der Chef des Einsatzkommandos den Einsatz abbricht, nur weil sein Hund im Auto sitzt auf das geschossen wird.
      Wenn ein absoluter Trottel zweimal mit ner Sprühdose umher wackelt und plötzlich der ganze Krankenwagen professionell mit neuer Farbe lackiert ist.

      Dann weiß man, Logik muss man hier nicht suchen.

      Davon dass beim Banküberfall Jack Gyllenhaal auch noch auf eine Maske verzichtet, da fang ich lieber erst gar nicht an.


      Besonders nervig


      Die Kamera.
      Es sollte wohl irgendwie cool wirken, aber mit Der Kamera im Film hat Bay diesmal echt übertrieben. Die Kamera fährt dauernd hin und her, zoomt ran und raus, dreht sich, überschlägt sich und und und...
      Das wirkt in den ersten 5 Minuten cool, danach nur noch nervig.
      Wenn die Gangster einen Gang entlang gehen die Kamera erst von hinten an sich ranfährt, dann nochmal von der Seite und dann noch mal von vorne, dann reicht es auch langsam mal.



      Fazit:

      Ansich klingt es alles negativer als es letztendlich ist.
      Ambulance ist zwar reinstes Popcornkino, dennoch weit davon entfernt ein sinnfreier Totalausfall wie die letzten Transformersfilme oder 6 Underground zu sein.

      Deutlich besser hätte es den Film getan, kürzer zu sein. Dann hätte man sich billige Mittel zum Strecken der Filmlänge sparen können. Etwa die 15 minütige Operationsszene oder den dusseligen Gangster-Bossteil.

      Dennoch ist Ambulance der wohl beste Bay Film seit dem ersten Transformersfilm.
      Er unterhält größtenteils, ist spannend, hat einen gut spielenden Gyllenhaal und wenn man die Logik gut ignorieren kann, dann macht das alles auch durchaus Spaß.

      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „KBBSNT“ ()

      KBBSNT schrieb:

      [...] Eine Adoption des dänischen Films von 2005.[...]


      :uglylol:

      [...] Dennoch ist Ambulance der wohl beste Bay Film seit dem ersten Transformersfilm.
      Er unterhält größtenteils, ist spannend, hat einen gut spielenden Gyllenhaal und wenn man die Logik gut ignorieren kann, dann macht das alles auch durchaus Spaß.[...]


      Hört sich nach einem Bay Film an, der genau das bietet, was ich möchte.
      Einzig kann man nicht steigern!
      Als Michael Bays erster abendfüllender Spielfilm mit dem Titel Bad Boys- Harte Jungs, 1995 das Licht der Cineplex erblickte, erschien im selbigen Michael Manns Master Peace: Heat. Damals war Michael Bay 30, ebenfalls fast 30 Jahre später viel irgendwann in Bays Hirnwindungen die Entscheidung, das jenem vor langer Zeit gedrehtem Film mit Robert de Niro, indem der legendärsten Shootout in einer Innenstadt zelebriert wurde noch etwas Entscheidendes fehlte. Etwas aufregendes Neues um ihn in die heutige Zeit zu transformieren. Etwas was zu dieser Zeit nur schwerlich umsetzbar war. Etwas dachte sich Michael Bay was diesen Shootout noch runder, fantastischer und spannender machen würde. Was dieses etwas war ist schon nach wenigen Sekunden in Ambulance als etabliertes Stilmittel zu identifizieren: Der Drohnenflug.

      Baymania Overkill

      Doch nur weil man etwas Stand der Technik kann, muss man es nicht gleich tun. Die Drohne, mit derer Augen wir die Welt des Michael Bay erforschen, entpuppt durchaus als erfrischendes Gimmick. Wandelt sich im Laufe der fortschreitenden Filmlänge zur überdrüssigen Spielerei ohne Mehrwert für den Zuschauer. Den Überblick des Geschehens den der Zuschauer allzu oft in seinen früheren Werken verliert bleibt in Ambulance dankenswerterweise erhalten. Warum aber eine gut gewählte Kamera Positionierung, so essentiell für das unterstreichen von Stimmungen und bilden einer Atmosphäre ist führt uns Ambulance mit aller Gewalt brutal vor Augen. Hier verkommt die Kameraführung zum Spektakel für die Augen. Was anfänglich noch Interesse weckt ob der neuen Möglichkeiten gerät schnell zu nervigen oder ermüdenden Begleiterscheinung. Die Dosis der Droge macht das Erlebnis, hier steht sie in einem unangenehmen Verhältnis von rotierender wilder Kamerafahrten und Bildern die allein für sich sprechen. Wie man eine mobile, sich ständig bewegende, Hochhaus runter, Hochhaus runter Kamera mit Emotionen verknüpft wird am deutlichsten spürbar in Gaspar Noes Irreversible. Tony Scott hätte seine wahre Freude am immer wiederkehrenden heran und rauszoomen. Es stellt sich nun die Frage was vorher da war, Die Drohne oder die Idee zu einem Film dieser Art. Der Verdacht legt nahe: Die Drohne.

      Dauerwerbesendung

      Ob sich Michael Bay die zu Anfang erwähnte Shootout Szene nun wirklich selbst neu zusammenbasteln wollte mit seiner ganz persönlichen Note oder bleibt Spekulation, sicher ist nur das Ambulance lose auf einem dänischen 75 Minüter basiert. Indem es sich um zwei Bruder handelt, die eine Bank überfallen, um mit dem geraubten Geld ihrer Mutter eine lebenswichtige Behandlung zu ermöglichen. Geflüchtet wird in einem Krankenwagen. Diese Idee des dänischen Regisseurs Laurits Munch-Petersen dehnt Michael Bay in seinem quasi Remake auf 136 Minuten aus. Was natürlich nicht ohne Folgen bleibt denn die lange Laufzeit will mit Leben gefüllt werden. Hier entstehen Probleme die Bay mit Drohnentechnik oder allerlei technischen Equipment nicht vertuschen kann. Die Grund Prämisse, Verfolgungsjagd bietet wenig Überraschendes. Mitte des Films entsteht ein Vakuum, das immer mit denselben Bildern von zugegebenermaßen schick in Szene gesetzten Dodge Polizeiwagen handelt die einen Krankenwagen verfolgen. Scheinbar ist die Anzahl der in LA verübten Delikte, die eine Verfolgungsjagd nach sich ziehen dermaßen in die Höhe geschossen, dass sich das LAPD gezwungen sah eine Sonder Abteilung zu gründen die sich nur mit solchen Delikten befasst. Mit einer Armada an PS starken Dodge die nicht besser in einem Werbespot erstrahlen könnten platziert hier Bay wieder einmal mehr eine prominente amerikanische Automarke. Hier zeigt sich das Händchen des Bay für Werbeclips.

      Gefühlskino

      Am besten wird deutlich welche Atmosphäre hier kreiert wird, wenn man es wie ein Protagonist im Film schon anmerkte mit einer GTA Verfolgungsjagd auf 5 Sterne vergleicht. Immer den Fuß auf dem Pedal, keine Verschnaufpausen, keine Gnade. Erfrischend neu scheint in Bays Repertoire die eingeflochtene Sozialkritik an den Verneigten Staaten von Amerika, So ist es die vom Staat im Stich gelassene Arbeiterklasse denen er die Daumen festdrückt. Jene die sich von ihrem, per Grundgesetz verankerten Versprechen des American Way of life, veräppelt fühlen. Aufrechten Menschen, die ohne viel Pathos versuchen das Richtige zu tun. Hier scheint es so als hätte Bay auf seine alten Tage noch etwas mit seinen Filmen zu sagen, abseits des so gerne von ihm propagierten American Way of life, der immer im Subtext seiner Filme mitschwingt. Oder dies nur Fassade? Um uns auf der Gefühlebene auf die falsche Fährte zu führen? Den Falschen die Daumen zu drücken?

      Nehmen wir den angeschossenen Polizisten, der mit den Brüdern, gespielt von Jake Gyllenhaal (skurril drüber) und Yahya Abdul-Mateen II (menschelnd) und Eiza González (unterkühlter Megan Fox Ersatz) der Krankenschwester im Krankenwagen festsitzt. Der einzige Grund warum die Entführung nicht schon längst gewaltsam beendet wurde ist jener Polizist, der Kollege. Sein Leben gilt es zu retten, zu schützen, koste es was es wolle von Seiten der Polizei aber auch auf Seiten der Entführer Brüder ist man erstrebt am Überleben des Staatsbeamten, da der Tod Ärger bedeuten würde. Kollateralschäden wie die von umherfliegenden Autoteilen getroffenen Passanten oder im Verkehrschaos verletzte Verkehrsteilnehmer werden dafür gerne in Kauf genommen. Ist das Leben dieses einen Individuum schützenswerter als das der Passanten aus Sicht der Polizei? Oder das Leben der auf der Verfolgungsjagd verstorbenen Polizisten? Hat man als Entführer seine Daseinsberechtigung als Mensch verwirkt und wird nur noch als Kollateralschaden verbucht. Als bloße Zahl in einer Datenmenge? Wer entscheidet zwischen Menschen als Datensatz und dem Menschen aus Fleisch und Blut? Der menschliche Anker in Ambulance mit dem man sich identifizieren soll, mitfühlen soll, ist die von Yahya Abdul gespielte Figur des Kriegsheimkehrers, die scheinbar einem höheren Ziel dient, der krebs Behandlung seiner Frau. Doch sind es falsche Gefühle, die uns Bay hier unterjubelt. Es gibt nichts Richtiges im Falschen. Ein Banküberfall ist niemals eine adäquate Lösung, leichter fällt scheinbar das Urteil über den manischen Jake Gyllenhaal zu fällen. Der erst gar nicht darauf hofft das der Staat im hilft sondern die Dinge selbst in die Hand nimmt. Aber ist es so einfach mit der Unterscheidung, wer Böses tut, wer nicht? So muss man doch sehr aufpassen welche Gefühle man entwickelt, Richtig und Falsch hängt eben nicht an Gefühlen, wie es Bay verkaufen möchte. So ist das im Film als Manko gekennzeichnete kühlheit der Ärztin ihrer Professionalität geschuldet. Ohne Distanz oder der scheinbaren Gefühlskälte wäre sie kaum in der Lage ihren Job zu tun. Also wohin mit den Gefühlen in Ambulance?

      Ambulance ist nicht der schlechteste Film in Bays Oeuvre. Es ist einmal mehr ein bisschen zu viel des Guten auf einer technischen Ebene. Als könne er einmal angefangen zu spielen nicht mehr Inne halten mit technischen Spielereien. Wenngleich hier im Gegensatz zum üblichen Bayschen CGI Gewitter, hier erfreulicherweise wieder viel Handarbeit angesagt war. Bay zitiert sich sogar mehrmals selbst in Gesprächen zweier Polizisten um auch nochmal die Boomer Generation mit ins Boot zu holen die vor 30 Jahren im Kino The Rock erleben durften. Jenem Film mit Sean Connery, der wenn man es nicht besser wüsste einen gealterten FSK 18 Bond zeigt den es leider nie gab in der offiziellen Reihe. Am Ende bleibt die Erkenntnis die schon Robert de Niro in Heat und Al Pacino hatten welche auch für Michael Bay gilt: "Ein ziemlich wildes Leben, oder?" - "Es ist nun mal wie es ist. Entweder so, oder wir müssen uns nach was anderem umsehen." - "Ich habe nichts anderes gelernt." - "Ich auch nicht."

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      SamTrautman schrieb:

      Überrascht mich schon das ein Bay herauskommt und Emmerich auch nicht so lange her und niemand hat ihn gesehen. Er ist kein Top FIlm das ist klar aber immerhin ein neuer Blockbuster. Dachte hier im Forum würde mehr darüber gesprochen.


      Egal ob Emmerich oder auch Bay, beide haben ihre besten Zeiten hinter sich dazu habe ich auch das Gefühl das diese Art von Blockbustern kaum noch jemanden so wirklich interessiert. Gerade auch von der Machart sieht fast jeder Actionfilm inzwischen genauso aus.