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The Confession Killer

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    Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Wuchter.

      The Confession Killer

      The Confession Killer





      Studio Netflix
      Vertrieb Netflix
      Veröffentlichung 06. Dezember 2019
      Laufzeit 5 Folgen, je 45 - 50 Minunten

      Regie Pobert Kenner, Taki Oldham
      Produzenten Margaret Drain, Robert Kenner, Andrea Lazard, Taki Oldham, Tenielle Oldham, Melissa Robledo, Liz Shea
      Musik Jason Hill
      Kamera Jay Redmond

      Inhalt und Kritik

      Henry Lee Lucas wurde 1983 unter dem Verdacht des Besitzes von Handfeuerwaffen festgenommen. Schnell konnte ihn die lokale Polizei mit zwei Morden in Verbindung bringen, mit dem von Kate Rich, in deren Haus er eine Zeit lang lebte, und dem an der 14-Jährigen Becky Powell, mit der er eine Beziehung führte. Vor Gericht und vor laufenden Kameras hat Henry plötzlich die Morde an 100 weiteren Frauen gestanden, eine Zahl, die sich mit der Einmischung der Texas Ranger zunächst auf 360, dann auf 600 und schließlich auf über 3.000 erhöhte. Die polizeiliche Autorität hat die Geständnisse aufgesogen wie ein Schwamm Wasser aufsaugt und konnte unzählige ungeklärte Verbrechen lösen, die sich über tausende von Meilen über den gesamten Süden und Westen der Vereinigten Staaten in den zwei Jahrzehnten zuvor erstreckt haben. Doch dabei gab es ein großes Problem: Henry Lee Lucas konnte all diese Menschen nie ermordert haben. Hugh Aynesworth, seines Zeichens einer der bekanntesten Journalisten der USA, der schon über die Kennendy-Ermordung berichtete, deckte in einem Schlagzeilen machenden Bericht in der Dallas Times Herald Unstimmigkeiten, Unwahrscheinlichkeiten und regelrechte Lügen auf, die die Frage in dem Raum warfen: Ist Herny Lucas ein Serienmörder - oder nur ein Serienbekenner?

      Der Fall Henry Lee Lucas ist vor allem Eines: Ein Zeugnis darüber, wie das Rechtssystem scheitern kann, wenn es von Leute mit unehrlichen Ambitionen missbraucht wird und wie mit den Gefühlen und der Geschichte von Familien gespielt wird, nur weil die Zahl an Akten, die abgelegt werden können, wichtiger ist, als die Wahrheit.

      Ich kannte den Lucas-Fall schon recht gut und kann jedem, der interessiert ist, das Buch The Confessions of Henry Lee Lucas von Mike Cox empfehlen. Aber das Werk ist aus dem Jahr 1991 und daher mittlerweile auch schon ein paar Jahre alt. The Confession Killer wartet mit einigen neuen Informationen auf, die sich erst seither entwickelt haben. Diese Vielzahl an Informationen und Themen, die die Serie abdecken möchte, sind dabei dramaturgisch gut verpackt und packend erzählt. Die Episoden enden mit unvorhersehbaren Cliffhangern, die allerdings nie wie billige Schüsse ins Dunkle wirken, sondern im Erzählstrang der Doku durchaus Sinn machen. Lobenswert fand ich auch, dass man die Beteiligten beider Seiten - der Opfer, wie auch der verantwortlichen Ranger, welche noch am Leben sind - in brandneuen Interviews zu Wort hat kommen lassen.

      Netflix ist zwischenzeitlich eine wirklich gut gefüllte Heimat für exklusive True Crime-Dokus geworden, einem Genre, dem ich nach wie vor ziemlich stark zugeneigt bin. The Confession Killer würde ich als einen der besten Einträge beschreiben, die ich bisher gesehen habe. Wer mit dem Fall noch nicht vertraut ist, dem wird wohl ähnlich oft die Kinnlade auf die Brust fallen, wie jemandem wie mir, der den Fall schon relativ gut kannte und hier trotzdem etliche neue Details entdecken konnte.

      Lucas selbst war ein trauriges und bemitleidenswertes Wesen. Er war jemand, der Aufmerksamkeit suchte und diese in den Medien und den Rangern fand, die ihn mit Belohnungen und Privilegien verwöhnten für jedes neue Geständnis, das er ihnen brachte. Er war ein pathologischer Lügner und sicherlich auch ein Mörder. Aber darüber hinaus war er auch ein Opfer der texanischen Justiz. Ein Bauer auf dem Schachbrett, der geopfert werden musste, um die Akten zu bereinigen. Die Doku fokusiert sich viel darauf, was Lucas antrieb und warum die Behörden handelten, wie sie es eben taten. In dieser Hinsicht ist das eine hervorragende Aufarbeitung von allem, was in diesem Falle schief lief und falsch gemacht wurde. Aber sie blickt auch weiter in die Zukunft, lange, nachdem Henry Lee Lucas bereits tot war und seine Geheimnisse mit ins Grab nahm, und beschreibt, was die Familien der Opfer heute noch durchmachen, weil die Mörder ihrer Schwestern, Mütter, Frauen und Männer noch immer frei herumlaufen. Weil die Täter nie geschnappt wurden und viele zuständige Behörden sich weigern, die Fälle neu zu eröffnen. Henry Lee Lucas mag 2001 einem Herzleiden erlegen sein. Doch der Kampf und der Schmerz dieser Familien hält an. Und The Confession Killer nimmt auch diese Aufgabe ernst, den Opfern und den Angehörigen den angebrachten Respekt zu zollen.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase



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      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von „Data“ ()

      Burning schrieb:

      Liest sich sehr interessant, danke für den Tipp. Habs direkt mal auf die Liste gepackt ^^


      Noch was am Rande: Mach dich zudem noch auf ein abartig hypnotisierendes Intros gefasst. Jemand hat das Thema als einstündige Dauerschleife auf youtube gestellt, die gerade rauf und runter läuft bei mir.

      Das Intro selbst kann da gerade ich nicht finden (also mit den laufenden Credits) - die Bilder, die dafür verwendet wurden, geben dem ganzen noch einen sehr unangenehmen, verstörenden Zusatz oben drauf. Aber trotzdem hier mal die eigentliche Komposition von Jason Hill Refractions in the Sand.


      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase