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The Graduate - Die Reifeprüfung

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    Es gibt 15 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von GregMcKenna.

      The Graduate - Die Reifeprüfung

      Die Bewertungsprüfung 6
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      DIE REIFEPRÜFUNG

      (usa, 1967)




      kinostart usa: 21. dezember 1967
      kinostart (west-)deutschland: 6. september 1968

      regie: mike nichols (wer hat angst vor virginia woolf?, closer)
      buch: charles webb (vorlage), calder willingham und buck henry (drehbuch)
      darsteller: anne bancroft (mrs. robinson), dustin hoffman (ben braddock), katherine ross (elaine robinson), william daniels (mr. braddock), murray hamilton (mr. robinson), elizabeth wilson (mrs. braddock)...
      songs: simon and garfunkel

      originaltitel: the graduate
      genre: drama / romace / komödie
      länge: 105 min
      fsk: ab 16 jahren

      trailer: click
      imdb: click
      offizielle seite: click
      rottentomatoes: click
      dvd@amazon: (arthouse premium-edition), (einzel-dvd)

      nach seinem college-examen geben die eltern von ben braddock eine glanzvolle party, zu der auch die befreundeten robinsons eingeladen sind. der alkohol fließt in strömen, und zu später stunde wird ben von mrs. robinson gebeten, sie nach hause zu fahren. dort angekommen, versucht sie, den jungen zu verführen - unglücklicherweise kommt ihr ehemann dazwischen.
      doch mrs. robinson gibt nicht so leicht auf, und ben kann der verlockung nicht lange wBiderstehen. die beiden treffen sich regelmäßig in einem hotel. doch eines tages geht ben auf bitten seiner eltern mit elaine aus, der hübschen tochter von nrs. robinson - ein abend mit folgen: elaine und ben verlieben sich ineinander. das aber macht mrs. robinson zu einer eifersüchtigen furie...
      quelle







      Bis auf Bernhard Schlinks Vorleser können wohl wenige (wer weiß) von sich behaupten, ihre Reifeprüfung in Liebe mit einer Mrs R. abgelegt zu haben.
      Aus meiner Sicht stellt dieser Film eine Art Urknall der Teenkomödien dar, sieht man vom "Frühlingserwachen" ab. Der Humor ist bitter böse und die Szene, in der Ben Mr. R. unbeholfen an die Brüste fast, ist unwiederbringlich schön. Natürlich ist das sentimentale Ende wieder ein böses Geschwür aus dem Zauberwalde Hollywoods, doch diese nahezu unheilbare Krankheit wird durch den Soundtrack schlechthin (Simon and Garfunkel) wieder ausgeglichen.
      Ích meine, diese tragische Komödie über uns Jungen, in Form von Benjamin, der zwischen Affären und Liebschaften unsicher hin und her stolpert, liegt eine Wahrheit. Wenn Komödien übertreiben, dann doch bitte so. Niemand soll uns erzählen, dass das Fahrradfahren einen Orgasmus herbeiführen könnte, nicht umsonst heißt es doch "Die Tour der Leiden".
      Reden wir heute von der Apfelkuchengeneration, so ist diese aus der Liebe zweier Menschen der Reifeprüfungsgeneration entstanden, ein echtes Vorbild unter den Filmen, nicht wahr?
      SG
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Also die Reifeprüfung ist und bleibt ein wahrer Klassiker und ich stimme dir zu, dass er als Vorbild für viele heutigen Teenie-Filme dient, nur ist die Reifeprüfung einfach ein höheres Niveau.

      Habe die Reifeprüfung zum ersten mal vor einigen Jahren gesehen und war damals schon begeistert. Zum letzten mal haben wir den Film im englisch Unterricht gesehen. Und ich muss sagen, im englischen wirkt der gleich doppelt so gut, weil Dustin Hoffman eine klasse Stimme hat und man diese Nervosität viel stärker spürt. Also wer die DVD hat, mein Tipp: Auf englisch anschauen, gleich doppelt so gut...;)

      Das gibt es ja nicht ...

      Genau meine Meinung. Ich habe ihn sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gesehen und finde es genauso beeindruckend. Natürlich gibt es Niveauunterschiede und neben der Reifeprüfung ist die FETE I und II sicherlich auch stilbildend für die Apfelkuchengeneration. Nur das ist die Zeit. Die sechziger, siebziger Jahre sind für mich die beiden intellektuellsten Jahrzehnte, wobei ich nicht vorangig die Menschen, sondern die Jahrzehnte an sich meine. Und im Umfeld damals war halt mehr möglich, heute würde so ein Film es schwerer haben, leider. Dennoch unterstelle ich mal, dass er allein aufgrund seiner Qualität sich auch heute durchsetzten könnte, er hätte es nur schwerer gedreht zu werden.
      Schön, dass du den Film magst, ich empfehle dir auch den Roman die Reifeprüfung.
      SG
      Die Reifeprüfung

      Ich liebe diesen Film, der junge Dustin Hoffmann spielt hier fantastisch. Die Geschichte ist sehr ausgefeilt und man kann sich gut in die Rolle von Hoffmann hineinversetzen. Ich find den Angfang des Film einfach super wie Anne Bancroft dem Dustin den Kopf verdreht, die Kameraeinstellung ist hier famos. Die DVD ist Pflicht!

      Wir mussten das Buch im Englischunterricht lesen und es war stinklangweilig, da im Buch irgendwie nichts von dem Humor rüberkam..Da fand ivh einen Film wirklich mal besser als das Buch!
      Es gibt so viele Szenen, die as dem Film woanders eingebaut wurden. Die "Verführungsszene", wo man durch die Beine von Mrs. Robinson filmt, kannte eigentlich jeder.

      Und Jahre später kam doch dieser Audispott, wo Hoffman am Ende zu seiner Tochter sagt: "Du bist wie deine Mutter!" das fand ich auch richtig klasse!
      "Man kann doch ein Katzenvideo niemandem vorenthalten!"

      Whatever... Keep talking...not done yet? Well then, I'll just be over there not giving a shit...
      Ich liebe diesen Film. Kürzlich wieder gesehen und wurde wieder in meiner Annahme bestätigt dass The Graduate einer DER modernen Filmklassiker überhaupt ist.
      Mike Nichols, der auch heute noch sehr gute Filme macht, war in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter. Das Genre des Coming Of Age hat er für die damalige Zeit neu definiert und für die nachkommenden Regisseurgenerationen hat er ein Lehrfilm für (und ich benutze dieses Wort nun mit Absicht) g e n i a l e Inszenierungsarbeit, man achte auf das Zusammenspiel von Schnitt, Kamera und Musik. Nur wenige kommen an eine solche Klasse ran und wenn dann heissen sie Orson Welles oder Stanley Kubrick.

      Ganz grosse Hochachtung. 10/10
      Signatur lädt...
      hatte the graduate vor jaaahren mal gesehen und erst jetzt bin ich in vorbereitung eines referats über das us-kino der 1960er wieder draufgestoßen. mein gott, hatte den film als 'ganz nett' in erinnerung und nichts bereitete mich vor auf die fast-tränen, die ich heute nacht gelacht habe: dustin hoffman spielt, scheinbar noch am üben in seiner ersten großen rolle, ben braddock aber tatsächlich schon richtig gekonnt so herrlich verklemmt und völlig verwirrt von der aufmerksamkeit, die ihm durch die legendäre mrs. robinson zuteil wird. und simon and garfunkel liefern mit ihren tollen songs den inneren monolog, der in bens kopf abläuft, während die kamera geduldig draufhält.
      the graduate trifft genau das zeitgefühl der in den 60ern jungen und aufstrebenden generation (auch als kinozielgruppe): verloren zwischen dem alten muff der eltern, den man bestimmt nicht will, und dem, was man will, von dem man aber nicht genau weiß, was es eigentlich ist. mike nichols stellt das wunderbar heraus: nicht nur mit bens verlorenem gesichtsausdruck; kamera, sound und schnitt tragen alle ihren teil dazu bei, am deutlichsten in den szenen im und um den swimming pool.
      bleibt nur die frage, welche szene ich fürs referat aussuchen soll... das ende wäre natürlich ne superwahl
      Spoiler anzeigen
      elaine, bereits verheiratet, brennt nun doch mit ben durch, zeigt familie, kirche und allen althergebrachten werten praktisch den mittelfinger, während ben mit dem kreuz (!) das establishment einschließt und dann fade out mit dem "sound of silence"

      aber in sachen filmenden wird wohl das legendär-berüchtigte ende von bonnie & clyde den vorzug kriegen. also dann vielleicht gleich die szene bei mrs. robinson zu haus?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Ich habe den Film wohl nicht verstanden, als Komödie habe ich ihn irgendwie gar nicht gesehen. Das war doch selten bis gar nicht lustig :gruebel: Der Film versprüht eine eigenartige Magie, der Look hat mir sehr gefallen, der Soundtrack von Simon und Garfunkel haut einen einfach um und visuell gibt es sehr viel große Momente. Am Anfang die Party, wie die vielen Leute da gefilmt wurden, das war schon richtig bedrohlich, so wie Ben sich fühlte. Oder der Schnitt beim ersten Sex mit Frau Robinson, oder die Szene als Taucher im Pool, oder, oder, oder..... Schwach fand ich hingegen die Story. Zunächst war alles in Ordnung, aber als dann Elaine ins Spiel kommt, wirkt das alles für mich irgendwie dahingeklatscht, gibt ein paar haarsträubende Dialoge, aber logisch nachvollziehbar ist ab da nicht mehr viel.

      7/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2:




      Serienstaffeln 2019: -33-
      Filme 2019:
      -69-

      Serienstaffeln 2020: -33-
      Filme 2020:
      -279-
      Original von El Barto
      Zunächst war alles in Ordnung, aber als dann Elaine ins Spiel kommt, wirkt das alles für mich irgendwie dahingeklatscht, gibt ein paar haarsträubende Dialoge, aber logisch nachvollziehbar ist ab da nicht mehr viel.


      Ich glaube die mangelnde Logik kannst du dir damit erklären, dass da einfach alle (allen voran unser guter Ben) einen an der Marmel haben ;)
      - The Graduate

      Es dürfte wohl nicht ganz einfach sein, einen Film zu finden, der den Zeitgeist der 1960er besser getroffen hat, als The Graduate. Es ist ein in gewisser Weise legendärer Film, allein deswegen, weil man dem Titel immer wieder über den Weg läuft und nicht zuletzt wegen des Soundtracks von Simon and Garfunkel, dem Folkrock-Duo, das mit der Musik zu diesem Film seinen Durchbruch geschafft hat und zu internationalen Superstars wurde.

      The Graduate wurde geschrieben von Calder Willingham und Buck Henry und wurde inszeniert von Mike Nicols, der ein Jahr zuvor mit Who's Afraid of Virgina Woolf? einen der zu diesem Zeitpunkt profansten Filme gemacht hatte und nun mit seiner zweiten großen Regiearbeit neue Maßstäbe setzen sollte. Es geht um Ben Braddock, einen 20-Jährigen College-Absolventen, der von Mrs. Robinson verführt wird und eine Affähre mit ihr eingeht. Sie ist die Ehefrau des Geschäftspartners seines Vaters und die Mutter von Elaine, mit welcher er sich verkuppeln lässt und die er um jeden Preis für sich gewinnen möchte.

      The Graduate zeigt das, was vor 50 Jahren wohl als schmutzig und versaut, als regelrecht vulgär angesehen wurde, was einem modernen Publikum aber wohl mehr ein suffisantes Lächeln abgewinnen kann, als dass es wirklich zu schockieren weiß. Das ist okay, ein Film muss an den Standards gemessen werden, die zu der Zeit seiner Entstehung herrschten. Daher nehme ich es ihm nicht übel, wenn ich mich dafür heute nicht mehr fremdschäme. Was ich ihm jedoch übel nehme, ist, dass er nicht sonderlich witzig ist. Ich konnte dem Film ein paar Schmunzler abgewinnen - Dustin Hoffman spielt Ben zunächst auf eine herrlich verklemmte, merkwürdig steife Art und Weise -, aber wenn dies die witzigste Komödie des Jahres gewesen ist (wenn man Roger Ebert glauben darf), dann lässt das nicht hoffen, dass 1967 ein sonderlich Erfolgreiches für das Genre gewesen ist.

      Aber Gemüter ändern sich und Humor passt sich daran an. Eine Komödie kann trotz fehlender Lacher immer noch eine Komödie sein, wenn die Stimmung des Films einem dies vermittelt. Viel problematischer ist die Wandlung unseres Hauptcharakters vom etwas merkwürdigen Tollpatsch zum regelrechten Stalker und Widerling, der nicht nur der Tochter seiner Beziehung hinterherrennt, sondern sich auch weigert, diese - trotz vehementer Ablehnungen ihrerseits - in Ruhe zu lassen. Die Charaktere verhalten sich dabei so unsinnig wie widersprüchlich. Ich bin aus Katherine Ross's Elaine genau so wenig schlau geworden, wie ich Ben ab einem gewissen Zeitpunkt noch anfeuern konnte, dass er in seinem Bestreben Erfolg hat. Das ganze Szenario ist einfach zu unglaubwürdig gewesen und das Verhalten unseres Protagonisten zu psychopathisch und unangebracht, als dass ich den Film noch als Komödie wahrnehmen konnte.

      Als großer Simon and Garfunkel-Fan war die Musikauswahl gut, aber überstrapatziert. Ich habe Scarborough Fair oder Ansätze davon insgesamt viermal gezählt in diesem Film und so schön das Lied auch ist, hat der Einsatz irgendwann eher satirisch gewirkt, was womöglich die Intention dahinter war, aber andererseits: Vielleicht auch nicht. Wie gesagt, der Film war tonal zu verwirrt, als dass ich das wirklich rauslesen konnte.

      Was übrig bleibt, ist ein Kind seiner Zeit, das man definitiv nicht aus den Augen eines modernen Zuschauers betrachten darf. Ich habe The Graduate zum ersten Mal gesehen und das Beeindruckendste daran war für mich die Vorstellung, dass sich ein Publikum wohl einstmals nicht mehr einkriegen konnte vor Lachen bei dem, was sie hier sahen. Hoffman hat die Ticks seines Charakters raus und Anne Bancroft spielt Mrs. Robinson mehr bemitleidenswert, denn als die verführerische Muse, die sie wohl sein soll. Der Film beginnt gut und amüsant, verliert sich aber ab der Hälfte zunehmend und mutiert zu einem Stalkerfilm, der mehr unangenehm ist, als dass er Lacher heraufbeschwört. Ist Ben womöglich paranoid und soll der harte tonale Bruch mitten im Film dies reflektieren? Es wäre ein netter Interpretationsansatz, weshalb der Film ab einem gewissen Punkt zu einer völlig anderen Entität wird. Ich denke aber nicht, dass das beabsichtigt war. Vielmehr ist The Graduate ein Film, der eine unerhörte Idee hatte und dann nicht wusste, wie man den Witz zu einer Pointe führt. Aus nostalgischen Gründen sicherlich mal sehenswert. Aber ansonsten ein eher merkwürdiger Trip.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase



      @Snow : Ich verlege die Unterhaltung mal hierher, ist ja doch etwas überraschend lang geraten, deine Antwort. :D

      Snow schrieb:

      Data schrieb:

      Snow schrieb:

      Aber ja, ein ( wie immer ) schönes und sehr lesenswertes Review, obgleich ich hier ( wie auch bei der Kritik zu Die Reifeprüfung, den ich als Meilenstein des Kinos ansehe und nie als Komödie, stattdessen schon immer als Drama betrachtet habe ) deine Meinung diesmal nicht vollends teile.


      Interessant. Kannst ja gerne mal auslegen, was den Film zu so einem Meilenstein für dich macht. Ich meine, ich kenne seinen Ruf - und wie ich geschrieben hab, ist es ja die archetypische Coming-of-Age Comedy der späten 60er, das erkenne ich durchaus an -, aber selbst als reines, ernstes Drama betrachtet könnte ich den seltsamen Bruch mitten in der Erzählung, welcher die Wandlung des Protagonisten von Depp zu Widerling markierte, nicht wegdiskutieren.


      Dann krame ich mal meine Erinnerungen hervor ( die letzte - und zugleich bis heute einzige - Sichtung des Films liegt bestimmt schon ungefähr 10+ Jahre zurück und falls ich mich nicht mehr an alles erinnern sollte, sei mir bitte verziehen ).


      Dir sei verziehen. Ehrlich, du hast den Film zehn Jahre lang nicht gesehen und bist noch in der Lage, solch tiefe Einblicke aus deiner Erinnerung herauszuziehen? Ich kann mich manchmal nicht erinnern, was ich zum Frühstück hatte. Was mich daran erinnert: Hatte ich Frühstück?

      Anyway....

      Snow schrieb:

      Dustin Hoffmans Figur Benjamin Braddock verkörpert für mich den Inbegriff einer ziellos umherirrenden und verlorenen Existenz. Obschon er noch sehr jung ist und soeben seinen Abschluss errungen hat, erwartet er nichts mehr vom weiteren Leben. Antriebslos, ideenlos, gefühlslos, innerlich tot. Eigentlich sollte er gespannt sein, ob der Möglichkeiten, die sich ihm nun bieten, doch da ist nicht die geringste Vorfreude spürbar. Er ist das Produkt einer (Um)Welt, die stets auf ihn einredet und weiß, was am besten für ihn wäre. Erdrückt von all den auf ihn einprasselnden Ratschlägen und Meinungen hat er irgendwann einfach resigniert und sich seinem vermeindlichen Schicksal - bald irgendeiner tristen Tätigkeit nachzugehen - ergeben, da die anderen ja eh immer wieder bekräftigt haben, dass seine Ansichten zwar gut, aber noch verbesserungswürdig seien und er stattdessen den Überlegungen / Gedankengängen anderer mehr vertrauen sollte, als seinen eigenen.

      Der zweite ikonische Charakter dieses Dramas ist jener der Mrs. Robinson (allein bei der Schreibweise des Namens sollte man schon hellhörig werden, denn der Umstand, dass während des gesamten Films die jeweiligen Elternteile von Benjamin und Elaine nicht mit Vornamen bedacht werden, obwohl gerade Elaines Mutter eine zentrale Rolle in dieser Tragödie spielt, verdeutlicht auf einer zweiten Ebene die Anonymität der Charaktere zueinander bzw. der Eltern den Kindern gegenüber ). Mrs. Robinson ist eine vom Leben gelangweilte Frau und ergreift die Gelegenheit, die durch Benjamin entsteht, um ihrem eintönigen Leben wieder etwas Pepp zu verleihen. Hier wird uns als Zuschauer subtil und zugleich schonungslos der Spiegel vorgehalten. Wie oft haben wir schon etwas getan, obwohl wir tief in unserem Innersten wussten, dass es falsch ist, nur um einen kurzen / gewissen Moment der Freude bzw. der Bestätigung verspüren oder ausleben zu können und um der Eintönigkeit des Alltags entfliehen zu können? Die möglichen Konsequenzen werden, obwohl man es besser weiß, in solchen Augenblicken beiseite geschoben. Wir alle sind mehr oder weniger Egoisten und Adrenalinjunkies, die immer immer wieder größere oder kleinere Fehltritte begehen, die vermeidbar sind, doch unser Reiz bzw. unser Verlangen nach dem verbotenen / dem nicht ganz legalen ist größer, als die Furcht vor möglichen Strafen. In einer oftmals zur Tristesse verkommenen Welt nehmen wir jede sich auftuende Chance auf Abwechslung dankend an.

      Durch die Verführung von Benjamin hat Mrs. Robinson jedoch noch etwas weitaus schwerwiegenderes getan. Sie hat Benjamin in die Welt der erwachsenen gelockt und ihm nebenbei durch ihr Verhalten noch bestätigt, dass es in der Welt der erwachsenen genauso trostlos und verlogen zugeht, wie er es wohl schon immer gedacht hat. Hier gibt es nichts, worauf man sich freuen könnte. Sollte Benjamin noch einen Restfunken an Hoffnung auf dasmöglichweise ereignisreiche spätere Leben im erwachsenen Alter in sich getragen haben, hat Mrs. Robinson diesen zum erlischen gebracht.

      Das Ende des Films symbolisiert darüber hinaus auf kongeniale Art und Weise das Ohnmachtsgefühl von Individuen in einer gestörten Gesellschaft, welche nicht mehr in der Lage ist mit Behutsamkeit über tiefgreifende Ängste und verborgene Sehnsüchte in einen gemäßigten und mit Respekt behandelten Diskurs zu treten - wenn es denn jemals möglich war. Das allumfassende Gefühl der Leere wird somit am Ende noch einmal mit aller Wucht zelebriert.


      Das sind auf jeden Fall sehr interessante Interpretationsansätze. Besonders den Teil, dass Ben tatsächlich nur den Thrill sucht, ohne darüber nachzudenken, was dies für Konsequenzen hat, harmonisiert sehr gut mit dem - wie du es beschreibst - Ohnmachtsgefühl, das kommt, nachdem er seine skandalöse Mission erfüllt hat. Die Szene mit ihm und Elaine auf der Rückbank des Busses, zusammen mit den entgeisterten Gesichtern der Darsteller steht im völligen Kontrast zu dem Adrenalinschub, der dieser Szene zuvorkam. Die völlige, fassungslose Ruhe, in der sich beide fragen "Und jetzt?".

      Wenn ich Ben jetzt als den Charakter betrachte, der nur aus seinem monotonen, gelangweilten, ziellosen Dasein herausbrechen und was erleben möchte, dann ja: So funktioniert sein Arch in The Graduate schon besser. Das hatte ich in meiner Bewertung so nicht in Betracht gezogen, daher danke an dieser Stelle für den Denkanstoß.

      All das mag schön und gut sein, um zu erklären, warum er handelt, wie er handelt. Ich war dennoch etwas verstört von der Plötzlichkeit dieses Bruches - seine Wandlung von Depp zu Psychopath war für mich nicht gut dargelegt und seine stalkerischen Eigenschaften, die er plötzlich an den Tag legte, waren für mich der Punkt, an dem ich ihn nicht mehr anfeuern konnte. Ich weiß, das war etwas, was in Liebeskomödien früher als romantisch angesehen wurde. Aber ich kam mir dabei einfach nicht sonderlich wohl vor, wie er diesem Mädchen - trotz ihrer vehementen, ständigen Ablehnung - auf Schritt und Tritt folgt, seinen Eltern erzählt, dass er sie heiraten werde (ohne ihr Einveständnis), dass er zuvor noch eine monatelange Affäre mit ihrer Mutter hatte usw. usf.

      Und andersherum ergibt sich ein genauso großes Problem: Elaine ist als Charakter einfach nicht gut geschrieben. Wir lernen sie kennen als smarte, attraktive junge Frau, die sich einen netten Abend erhofft mit einem Typen, der sie in eine Stripshow mitnimmt. Sie findet dann heraus, dass eben jener Typ seine Mutter vergewaltigt hat, bevor er ihr die Situation erklärt. Und plötzlich ist sie genauso vernarrt in ihn, wie andersherum? Macht das Sinn? Ich vermute: Kann sein. Wie gesagt, wir wissen über sie nicht genug, als dass wir ihre Motivationen erahnen können. Aber das darf in meinen Augen keine Entschuldigung sein, sondern muss dem Drehbuch angekreidet werden. Ich jedenfalls habe es dem Charakter nicht abgekauft, wie sie sich gegen Ende hin verhalten hat. Hier galt das Motto Plot vor Charakter: Der oben diskutierten finalen Einstellung musste die Entwicklung von zumindest einem der Charaktere geopfert werden. Der Film hat mich an der Stelle einfach verloren und so sehr ich jetzt Bens Motivationen nachvollziehen kann, desto mehr verliere ich das Verständnis für Elaine.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase



      Data schrieb:

      Das sind auf jeden Fall sehr interessante Interpretationsansätze. Besonders den Teil, dass Ben tatsächlich nur den Thrill sucht, ohne darüber nachzudenken, was dies für Konsequenzen hat, harmonisiert sehr gut mit dem - wie du es beschreibst - Ohnmachtsgefühl, das kommt, nachdem er seine skandalöse Mission erfüllt hat. Die Szene mit ihm und Elaine auf der Rückbank des Busses, zusammen mit den entgeisterten Gesichtern der Darsteller steht im völligen Kontrast zu dem Adrenalinschub, der dieser Szene zuvorkam. Die völlige, fassungslose Ruhe, in der sich beide fragen "Und jetzt?".

      Wenn ich Ben jetzt als den Charakter betrachte, der nur aus seinem monotonen, gelangweilten, ziellosen Dasein herausbrechen und was erleben möchte, dann ja: So funktioniert sein Arch in The Graduate schon besser. Das hatte ich in meiner Bewertung so nicht in Betracht gezogen, daher danke an dieser Stelle für den Denkanstoß.


      Das freut mich zu hören. :)



      Data schrieb:

      Ich war dennoch etwas verstört von der Plötzlichkeit dieses Bruches - seine Wandlung von Depp zu Psychopath war für mich nicht gut dargelegt und seine stalkerischen Eigenschaften, die er plötzlich an den Tag legte, waren für mich der Punkt, an dem ich ihn nicht mehr anfeuern konnte. Ich weiß, das war etwas, was in Liebeskomödien früher als romantisch angesehen wurde. Aber ich kam mir dabei einfach nicht sonderlich wohl vor, wie er diesem Mädchen - trotz ihrer vehementen, ständigen Ablehnung - auf Schritt und Tritt folgt, seinen Eltern erzählt, dass er sie heiraten werde (ohne ihr Einveständnis), dass er zuvor noch eine monatelange Affäre mit ihrer Mutter hatte usw. usf.

      Und andersherum ergibt sich ein genauso großes Problem: Elaine ist als Charakter einfach nicht gut geschrieben. Wir lernen sie kennen als smarte, attraktive junge Frau, die sich einen netten Abend erhofft mit einem Typen, der sie in eine Stripshow mitnimmt. Sie findet dann heraus, dass eben jener Typ seine Mutter vergewaltigt hat, bevor er ihr die Situation erklärt. Und plötzlich ist sie genauso vernarrt in ihn, wie andersherum? Macht das Sinn? Ich vermute: Kann sein. Wie gesagt, wir wissen über sie nicht genug, als dass wir ihre Motivationen erahnen können. Aber das darf in meinen Augen keine Entschuldigung sein, sondern muss dem Drehbuch angekreidet werden. Ich jedenfalls habe es dem Charakter nicht abgekauft, wie sie sich gegen Ende hin verhalten hat. Hier galt das Motto Plot vor Charakter: Der oben diskutierten finalen Einstellung musste die Entwicklung von zumindest einem der Charaktere geopfert werden. Der Film hat mich an der Stelle einfach verloren und so sehr ich jetzt Bens Motivationen nachvollziehen kann, desto mehr verliere ich das Verständnis für Elaine.


      Zwar konnte ich aus meinen Erinnerungen heraus noch darlegen, warum mir der Film so gut gefällt, aber auch wenn ich jetzt auf diese zwei von dir angesprochenen Punkte zu sprechen kommen möchte, so muss ich leider spätestens an dieser Stelle mir eingestehen, dass sich die lange zurückliegende Sichtung des Films nun bemerkbar macht. Hättest du nicht geschrieben, dass Benjamin und Elaine so reagieren / handeln - ich hätte nicht einmal mehr gewusst, dass sich ihre beiden Charaktere im Film an gewissen Punkten während der Laufzeit derart verhalten. Und ja, es stimmt, dass die beschriebenen Handlungen problematisch und nicht nachvollziehbar wirken, aber leider kann ich aktuell nicht mehr dazu schreiben. Dafür müsste ich mir den Film nochmals anschauen.

      Snow schrieb:

      Zwar konnte ich aus meinen Erinnerungen heraus noch darlegen, warum mir der Film so gut gefällt, aber auch wenn ich jetzt auf diese zwei von dir angesprochenen Punkte zu sprechen kommen möchte, so muss ich leider spätestens an dieser Stelle mir eingestehen, dass sich die lange zurückliegende Sichtung des Films nun bemerkbar macht. Hättest du nicht geschrieben, dass Benjamin und Elaine so reagieren / handeln - ich hätte nicht einmal mehr gewusst, dass sich ihre beiden Charaktere im Film an gewissen Punkten während der Laufzeit derart verhalten. Und ja, es stimmt, dass die beschriebenen Handlungen problematisch und nicht nachvollziehbar wirken, aber leider kann ich aktuell nicht mehr dazu schreiben. Dafür müsste ich mir den Film nochmals anschauen.


      Prime hat die zum 50-Jährigen Jubiläum restaurierte Fassung seit ein paar Monaten im Programm. Sind nur 107 Minuten, vielleicht kriegst das ja noch irgendwie unter. Ich überlege gerade, mir den auch nochmal zu geben. Vielleicht eröffnen sich mir ja neue Blickwinkel unter der von dir angesprochenen Betrachtung.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase



      Data schrieb:

      Ich war dennoch etwas verstört von der Plötzlichkeit dieses Bruches - seine Wandlung von Depp zu Psychopath war für mich nicht gut dargelegt und seine stalkerischen Eigenschaften, die er plötzlich an den Tag legte, waren für mich der Punkt, an dem ich ihn nicht mehr anfeuern konnte. Ich weiß, das war etwas, was in Liebeskomödien früher als romantisch angesehen wurde. Aber ich kam mir dabei einfach nicht sonderlich wohl vor, wie er diesem Mädchen - trotz ihrer vehementen, ständigen Ablehnung - auf Schritt und Tritt folgt, seinen Eltern erzählt, dass er sie heiraten werde (ohne ihr Einveständnis), dass er zuvor noch eine monatelange Affäre mit ihrer Mutter hatte usw. usf.

      Also der Bruch von Depp zu Psychopath rührt doch daher, dass Mrs. Robinson ihm sagt, dass er sich von Elaine fernhalten soll - und so benimmt er sich ja auch. Er macht das ja um das Date mit Elaine möglichst in die Brüche gehen zu lassen. Auf das Geheiß der geliebten Mrs. Robinson hin. Erst als Elaine dann infolge seines Mobbings ihm gegenüber weint, bekommt er Mitleid und verhält sich normal. Zumindest habe ich das so in Erinnerung.

      Dass er dann zum Stalker wird und sie bedrängt bzw. sie dann auch eher rasch turned und seine Gefühle ausreichen um sie auf seine Seite zu ziehen - das ist zweifellos der Zeit des Filmes geschuldet. Dass das aber bis ins Heute nicht reflektiert wird, kann man an "Passengers" oder der Reaktion auf "You" ganz gut sehen.

      Zum Film selbst, weil vor gar nicht allzu langer Zeit mal wieder gesehen: Storytechnisch eigentlich gar nicht so dolle, wenn man mal von den breitbeinigen Tabubrüchen um Mrs. Robinson und Dustin Hoffmanns jugendlicher Verstocktheit und seiner schmetterlingshaften Entwicklung im Zuge des Filmes absieht. Nach wie vor ein perfekt strukturierter Film (was ihn nach wie vor zu einem Klassiker macht) aber dazwischen findet sich auch mittlerweile sehr viel meh. Wobei man ihm durchaus anrechnen kann, den Riss zwischen Gefühlen und Rollen seiner Zeit gewitzt zu thematisieren.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
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