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Frankenstein muss sterben

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    Es gibt 1 Antwort in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Snow.

      Frankenstein muss sterben

      Frankenstein Must Be Destroyed





      Regie: Terence Fisher
      Drehbuch:
      Bert Batt
      Produktion:
      Anthony Nelson Keys
      Musik:
      James Bernard
      Kamera:
      Arthur Grant
      Schnitt:
      Gordon Hales


      Inhalt:


      Dr. Frederick Brandt, seines Zeichens ein angesehener Arzt, hat es geschafft. Er hat das Geheimnis
      entschlüsselt, welches fortan dem Menschen und der Wissenschaft erlauben wird, ein menschliches
      Gehirn ohne Schädigung der Hirnaktivitäten von einem Körper in einen anderen verpflanzen zu
      können. Etwas was bis dato noch nicht einmal dem berüchtigten Baron Frankenstein gelungen ist.
      Als letzterer von Brandts Durchburch erfährt nimmt er mit ihm per Korrespondenz Kontakt auf,
      um sich mit jenem über ihre Forschung austauschen zu können. Kurz bevor es zum ersten Treffen
      der beiden kommt verfällt Brandt jedoch dem Wahnsinn und wird in das Sanatorium für psychisch
      Kranke eingeliefert. Doch davon lässt sich Frankenstein nicht beirren. Er muss das Geheimnis aus
      den Hinwindungen seines Kollegen herausbekommen. Und dafür ist dem Baron jedes Mittel recht...


      Besetzung:


      Peter Cushing
      Thorley Walters
      Simon Ward
      Veronica Carlson
      Freddie Jones
      George Pravda
      Maxine Audley


      Produktionsland:
      Großbritannien
      Veröffentlichungsdatum: 22.05.1969
      Laufzeit: 98 Min.


      Wissenswertes:

      -
      Der fünfte Frankenstein Film der Hammer Reihe.

      - Peter Cushing hasste es eine ganz bestimmte Szene mit seinem weiblichen Co-Star Veronica Carlson
      drehen zu müssen, da er große Bedenken hatte, dass man die in dieser Szene gezeigten Handlungen
      mit ihm und der Figur Frankenstein assoziieren könnte. Laut eigener Aussage war es die schwierigste
      Sache, mit der er sich je in seiner Karriere konfrontiert sah. Als die Szene abgedreht war, entschuldigte
      er sich sogleich bei Veronica Carlson.

      - Terence Fisher hat im Laufe seiner Karriere viele Filme für die Hammer Studios gedreht, doch
      angesprochen auf seine Lieblingsprojekte nannte er Frankenstein muss sterben und Dracula.

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      Gleich zu Beginn des Films fällt einem die drastisch veränderte Optik gegenüber seinem direkten Vorgänger, Frankenstein schuf ein Weib, auf. Teil 4 von Hammers Frankenstein Reihe begann, wie auch nun Teil 5, mit einem schrecklichen Ereignis, dass die Tonalität für alles folgende im weiteren Verlauf des Films setzen sollte bzw. wollte, doch wo Teil 4 scheiterte ( da an die Grimmigkeit und Ernsthaftigkeit des Openings nicht mehr viel vergleichbares in der gesamten restlichen Laufzeit herankommen sollte ), bleibt Teil 5 seiner Linie treu und erfüllt das Versprechen ( den Zuschauer auf eine grausame Reihe von Ereignissen mitzunehmen und ihn erst wieder freilassen zu wollen, wenn die Credits einsetzen ). Oh, und wie er dies tut. Und ein nicht unerheblicher Teil für das Gelingen von Teil 5, Frankenstein muss sterben, ist in seiner dargestellten Atmosphäre zu finden.

      Spielten sich alle vorherigen Filme der Reihe ( ja, selbst Teil 1 ) die meisten Zeit über während des Tages ab, so ist im vorliegenden Film nur wenig von der Helligkeit zu finden, welche beschützend und vertraut wirkt. Stattdessen schleicht das Grauen des Nachts umher, versteckt sich in den Schatten und begibt sich auf Beutejagd. Der Großteil des Films spielt Abends und hier und da kam auch endlich mal wieder die Nebelmaschine zum Einsatz. Zudem gehören die ersten 5-6 Minuten des Films für mich, jetzt nach der Erstsichtung, zum besten was ich seit langer Zeit in einem Horrorfilm gesehen habe. Absolut brillant in Szene gesetzt. Die Kameraführung, die Musik, das Schauspieler, die Beleuchtung - alles war einfach exzellent. Außerdem hat man sich hinsichtlich der Optik von Frankensteins Labor endlich wieder an den ersten Film von 1957 orientiert.

      Und dann erst die Darstellung von Frankenstein. Niemals zuvor hat man ihn so diabolisch, eiskalt, brutal und ja, auch verabscheuungswürdig zu Gesicht bekommen. Der englische Originaltitel heißt wohl nicht umsonst Frankenstein must be destroyed. Dieser Mann muss nicht nur, wie es der deutsche Titel suggeriert, sterben. Nein, der englische Titel geht da noch etwas weiter. Er muss zerstört werden, bis nichts mehr von jenem Mann übrig bleibt, was an seine einstige Existenz erinnern könnte. Wurde Victor Frankenstein bisher stets als Mensch gezeigt, der zwar wissbegierig, arrogant und nicht großartig empathisch daherkommt, so war er letztendlich immer noch jemand, dem man hier und da einigermaßen mit Sympathie begegnen konnte. Er kreierte Schrecken und Unheil, mehr unplanmäßig, als das es von ihm geplant war und Todesfälle - wenn es sie gab - bedauerte er zutiefst ( wobei es auch hier Fälle gab, wo sich sein Mitgefühl mal mehr, mal weniger stark äußerte ). Ganz anders die hiesige Charakterisierung seines Wesens. Es gibt nichts mehr, was ihn sympathisch erscheinen lässt und sämtliche positive Attribute wurden entfernt.

      Cushing spielt auch diese so ungewöhnliche und abweichende Charakterisierung von Frankenstein mit Bravour, aber ich kann vollends nachvollziehen, warum ihn die ( für mich auch ) schockierendste Szene Frankensteins
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      ( als der Baron die junge Freundin eines Arztkollegen brutal vergewaltigt )
      so sehr angeekelt hat. Ursprünglich nicht im Drehbuch stehend, wurde sie nur auf Drängen der amerikanischen Vertreiber des Films ( die von James Carreras, dem Vorsitzenden von Hammer, mehr Gewalt und Sexualität forderten ) durch Fisher umgesetzt. Eine weitere extrem erschütternde, aber auch superb gespielte, Szene betrifft Frankensteins Interaktion mit
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      der Frau des - von seiner Hand aus dem Sanatorium - entführten Dr. Brandt. Frankenstein wird von Frau Brandt enttarnt und anstatt zu leugnen, dass er der Baron sei, für den sie ihn hält, verhält er sich ihr gegenüber sehr zuvorkommend und zeigt ihr sogar den - noch bandagierten - Körper, in dem nun das Gehirn ihres Mannes ruht.

      Als ihr Mann ihr auf gestellte Fragen mittels Handzeichen signalisiert, dass er sie versteht, ist sie beruhigt und Frankenstein unendlich dankbar. Letzterer meint, dass sie ihren Mann binnen der nächsten Woche hier wieder abholen könnte, dann verabschiedet sich die Frau aus dem Haus. Die Tür geht zu, Cushing dreht sich mit entschlossenen Gesicht um, die Kamera zoomt heran und er meint zu seinen Komplizen, dass sie sofort aufbrechen müssten. Die Tarnung ist aufgeflogen und alles vorherige - die gesamte Freundlichkeit des Barons war nur Fassade und gespielt, um die Frau von Dr. Brandt in Sicherheit zu wiegen.
      Fantastisch geschauspielert und wie ein Schlag in die Magengrube.

      Übrigens war es, wenn ich gerade schon auf den Cast zu sprechen komme, wirklich toll Thorley Walters nach seiner Performance in Frankenstein schuf ein Weib ( dort als zerstreuter und dem übermäßigen Alkoholkonsum nicht abgeneigter Assistensarzt von Frankenstein zu sehen ) hier erneut - diesmal in einer nicht minder zerstreuten Rolle als Polizeiinspektor - vorzufinden. Hat mir sehr gefallen. ^^ Gegen Ende sehen wir dann noch ein fast symbolträchtiges Bild.
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      Die erschaffene Kreatur Frankenstein, hebt den Baron auf und gemeinsam gehen sie - das Monster schreiend und flehend heruntergelassen zu werden und die Kreatur sich seinem Instinkt vor dem Feuer zurückzuschrecken, unterdrückend, da es erkannt hat, dass es in diesem Zustand kein Leben verdient hat und Vergeltung an seinem Schöpfer verüben will - den lodernen Flammen entgegen, bis sie darin verschwinden und die Credits einsetzen.




      Terence Fisher meldet sich mit einem enorm beeindruckenden und originellen Film zurück, der, man mag es beinahe gar nicht glauben, sich mit seiner gezeigten Konsequenz, Brutalität und seinem hohen Schockfaktor anschickt nicht nur mit Leichtigkeit die Sequels 2 - 4 zu überbieten, sondern es gar mit dem bisherigen Klassenprimus der Reihe - Teil 1 - aufnimmt und jenen in filmischer Qualität teils sogar übertrumpft. Fisher, Cushing und Frankenstein auf ihrem Zenit innerhalb der Frankenstein Reihe?



      08/10 - 8,5/10


      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Snow“ ()