The Man Who Shot Liberty Valance
Der Mann, der Liberty Valance erschoss
Studio John Ford Productions
Vertrieb Paramount Pictures
Veröffentlichung 22. April 1962
Laufzeit 123 Minunten
Land United States
Sprache Englisch
Regie John Ford
Drehbuch James Warner Bellah, Willis Goldbeck
Basierend auf dem Roman The Man Who Shot Liberty Valance von Dorothy M. Johnson
Produzenten Willis Goldbeck
Kamera William H. Clothier
Schnitt Otho Lovering
Musik Cyril J. Mockridge
Besetzung
John Wayne -- als -- Tom Doniphon
James Stewart -- als -- Ransom "Ranse" Stoddard
Vera Miles -- als -- Hallie Stoddard
Lee Marvin -- als -- Liberty Valance
Edmond O'Brien -- als -- Dutton Peabody
Andy Devine -- als -- Marshal Link Appleyard
Ken Murray -- als -- Doc Willoughby
John Carradine -- als -- Maj. Cassius Starbuckle
Jeanette Nolan -- als -- Nora Ericson
John Qualen -- als -- Peter Ericson
Willis Bouchey -- als -- Jason Tully
Carleton Young -- als -- Maxwell Scott
Woody Strode -- als -- Pompey
Denver Pyle -- als -- Amos Carruthers
Strother Martin -- als -- Floyd
Lee Van Cleef -- als -- Reese
Robert F. Simon -- als -- Handy Strong
O. Z. Whitehead -- als -- Herbert Carruthers
Paul Birch -- als -- Mayor Winder
Joseph Hoover -- als -- Charlie Hasbrouck
Inhalt und Kritik
John Fords The Man Who Shot Liberty Valance ist ein mehr ein Politfilm, der im Westerngewand daherkommt. Ein Film über ein Amerika, dessen Staaten sich erst noch bilden müssen, das einen langen Weg zu gehen hat, bevor es von einem Land der Gesetzlosigkeit zu einem Ort wird, in dem Ordnung und Regeln herrschen. Und es ist ein Film, wie ihn nur ein Meister wie Ford machen kann, der seine Karriere in diesem Genre gebaut hat, denn Liberty Valance wirkt wie eine Verbeugung, nicht nur vor dem Western selbst, sondern auch vor der Zeit, in welcher er spielt, und gleichzeitig wie ein finaler Vorhang, mit dem sich ein Regisseur wie er auch hätte verabschieden können. Es ist ein Epos, das sich nicht als Solches präsentiert, weil es ist ein oberflächlich betrachtet sehr kleiner und intimer Film ist, dessen wahre erzählerische Bandbreite sich fast unbeabsichtigt im Hintergrund abspielt. Und das ist es, was den Film tatsächlich so interessant und signifikant macht, weil er auf vielen Ebenen operiert, ohne dabei unnötig kompliziert oder mit sich selbst beschäftigt ist.
Bereits die ersten Minuten werden von einer Melancholie und Wehmut geprägt, die unglaublich echt und greifbar erscheinen, als hätten wir bereits Jahre an emotionalem Invest in diese Charaktere gehabt, obgleich wir von ihnen bis dato allerhöchstens ihre Namen wissen. Ransom Stoddard kehrt mit seiner Frau Hallie zurück nach Shinbone für die Beisetzung von Tom Doniphon, einer in Vergessenheit geratenen Legende, die den geschichtlichen Verlauf der Stadt änderte und prägte wie wohl kein anderer – und an den sich heute keiner mehr erinnert. Liberty Valance ist ein Film, der mit Sehnsucht auf eine Zeit zurückblickt, in der Großes geschehen ist – auf eine Zeit, die nie wieder kommen wird und die dann doch im Laufe der Jahre nur zu einer weiteren Anekdote verkommt. Wie viele von John Fords Filmen, erzählt auch dieser hier von einem Amerika im Umbruch, der Neuausrichtung, als der Wilde Weste gezähmt, geordnet und unter Kontrolle gebracht wurde. Und Veränderungen bringen viele Emotionen mit sich: Worauf wir heute mit Romantik zurückblicken können – wie es Ford durch den Charakter Tom mit sehr viel Passion tut – lässt andere Trauer und sogar Wut verspüren – was sich im Charakter des titelgebenden Liberty Valance aufzeigt – oder aber es kann manche dazu bringen, mutigen Schrittes einer unbekannten Zukunft entgegenzulaufen, weil dieser den Fortschritt als automatische Verbesserung sieht – wofür Stewarts Ransom Stoddard einsteht. Es ist ein Dilemma, mit dem jede Generation auf ein Neues konfrontiert wird. The Man Who Shot Liberty Valance mit seiner Dreieckskonstellation an zentralen Charakteren deckt jeden Blickwinkel davon ab.
Jimmy Stewart spielt Jimmy Stewart, wie er das immer macht. Das sind ehrliche Darstellungen passend für bestimmte Rollen, ohne dabei groß zu überraschen oder etwas zu offenbaren. Gegen die Studioauflage John Wayne, der den sinnbildlichen Tod des Wilden Westens stirbt, hatte sich Ford ja wohl mit Händen und Füßen gewehrt - aber einen Schauspieler mit mehr Symbolkraft für diese spezielle Rolle hätte wohl niemand finden können. Das waren zwei Stars ihrer Zeit, die hier unter Ford das erste Mal vor der Kamera vereint wurden in einem der ganz großen Werke der Filmgeschichte und inszeniert von einem Meister, der so spät in seiner langen und beeindruckenden Karriere nochmals so einen Volltreffer landete. Die letzten 20 Minuten mögen wie ein unnötig langer Epilog wirken, der etwas mehr zusammengestaucht vielleicht noch wirksamer gewesen wäre. Aber ich mochte die letzte Unterhaltung zwischen Ransom und Hallie, die das Schicksal der beiden zurück zu ihren Wurzeln bringt – und damit auch den Kreis des Überganges vom Wilden zum Neuen Westen schließt. Es ist ein sehr befriedigendes Ende, das der Wehmut entgegensteht, welche zu Beginn die ganze Stimmung dominierte und welches neue Horizonte erblicken lässt, die man inmitten all der Nostalgie vielleicht sonst nie gesehen hätte. Ein schöner Kniff – und erzählerisch absolut vollkommen.
"I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase
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