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Wut-Ablass-Thread

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    Es gibt 3.267 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kaibear.

      Ratty schrieb:

      Wie ein Virus.


      Agent Smith hatte da schon recht. So ist es leider.

      Ne schon traurig wie es in der Welt immer schlimmer zugeht.

      Mich beschäftigt das auch, habe heute aber nur Infofetzen mitbekommen.

      Ist ja immer schlimm, wenn wo jemand erschossen wird. Aber als religiöser Mensch hab ich nochmal eine andere Verbindung zu der Tat, die ja vor einer Synagoge am Versöhnungsfest geschah. Spontan musste ich auch an die Anschläge an Ostern in Sri Lanka denken. Auch sehr schlimm, weil das global regelmäßig an Ostern stattfindet. Aber hier bei uns will ich so was vor keiner Synagoge, keiner Kirche und keiner Moschee.

      Wobei die Opfer eher zufällig vorbei kamen und nicht zur Gemeinde gehörten, oder? Aber okay, weitere Infos abwarten...
      Ja, gut, dass er nicht reingekommen ist.

      Manchmal, wenn ich so durch größere Städte gehe und an Synagogen oder Moscheen vorbei komme, finde ich es schade, dass da das Einladende fehlt, also die Normalität, reingehen zu können - egal, ob oder welcher Glaubensrichtung man angehört. Nach einem Tag wie heute kann man da anders denken. Aber es wäre beschämend, wenn man Gotteshäuser in Deutschland abriegeln oder permanent bewachen müsste.

      Kaibear schrieb:

      Ich bin nur überrascht, wie heutzutage noch religiöser Fanatismus herrschen kann. Sei es aus Religion sowas zu machen oder gegen Religion sowas zu machen. Mittelalterlich. Primitiv.


      Ja, in Deutschland kann man da durchaus überrascht sein. Gesellschaftliche Grenzen verlaufen hier ja nicht mehr entlang von Glaubenseinstellungen. Aber woanders wird der Tonfall schärfer. Bei Themen wie Ernährung oder auch dem Klima tun sich Gräben auf. Bislang ohne Mord und Totschlag, aber Extreme gibt es überall. Und einen Grund, sich den Kopf einzuschlagen, findet man auch abseits von Religion.

      Der Täter scheint ja nicht ausschließlich auf Juden fixiert gewesen zu sein. Wenn ich das richtig sehe, ist er nach der Synagoge in einen Dönerladen. Keine Ahnung, ob sich das einfach auf der Flucht angeboten hat. Aber klingt so, als hätte er wenigstens irgendeinen Ausländer mitnehmen wollen, nachdem es bei den Juden nicht geklappt hat.

      Was mich zweitrangig, und zwar auf Twitter nervt: Jeder packt jetzt so sein Drehbuch aus. Die AfD natürlich nicht, war ja kein islamistischer Antisemitismus. Aber dafür wirkt es, als hätten andere nur gewartet, ihren Text aufzusagen. AKK hat wohl ein Statement abgegeben. Da wird nun wieder alles auf die Goldwaage gelegt. Wäre #Halle nur schon etwas kühler, würde man doch zu gerne mit #NiemehrCDU nachlegen.

      Aber na ja - man sollte Twitter nicht nah an sich ranlassen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „TheKillingJoke“ ()

      Aber es wäre beschämend, wenn man Gotteshäuser in Deutschland abriegeln oder permanent bewachen müsste.


      Eh....das tun wir schon so lange ich denken kann. Die Synagoge in meiner Stadt is an einer vielbefahrenen Straße, die zur Innenstadt führt. Es hat nicht einen Tag gegeben wo ich daran vorbeigefahren bin und da nicht irgendwo ein Polizeiwagen stand, für den Fall eines Falles. Dasselbe mit der alten Synagoge, die im Krieg ausgebrannt ist, und heute ein Museum/Gedenkstätte ist.

      Da war ich übrigens vor einigen Wochen bei einer Diskussionsrunde über den wachsenden Anti-Semitismus in Deutschland, mit der guten Frau Leutheusser-Schnarrenberger, und einer Holocaust-Überlebenden, die aus ihren Leben berichtet hat. Ein so ein Hansel hat da gefragt, ob sie denn glaube, dass Deutschland da je auf dem richtigen Weg war, und ich habe mir no so gedacht "wenn wir das je gewesen wären, dann ständen hier keine Polizeiautos vor der Tür".

      Aber es ist nicht überraschend, wenn man weiß, wie sehr im Netz wieder gegen Menschen Jüdischen Glaubens gehetzt wird. Man kann ja kaum noch irgendwas diskutieren ohne dass da irgendwann die Worte "Soros", "Kalergi-Plan" oder "Rothschild-Banker" fallen (letzteres besonders wenn es um Macron geht).

      Und nun sind eine Gruppe Deutsche mal eben zum Freiwild geworden, nur weil sie sich in oder nahe einer Synagoge befunden haben. Oder eben einen Döner wollten. Das macht mich so wütend.
      @swanpride

      Also ich bin ländlich aufgewachsen. Im näheren Umkreis kenne ich eine alte Synagoge (ist innen mehr oder weniger leer) und zwei alte Friedhöfe. Nirgends kommt man einfach so rein. Aber man weiß, welcher Nachbar die Schlüssel verwaltet und dann kann man schauen. Polizei steht da nicht - aber es ist wie gesagt sehr ländlich und jüdisches Leben gibt es da ja nicht mehr.

      Ein paar mal bin ich an der Augsburger Synagoge vorbei gekommen. An Polizei erinnere ich mich nicht, ist aber auch schon länger her. Zuletzt war ich der Reihe nach in mehreren in Prag. Das ist fast alles ein Museumskomplex, aber in der Prager Altstadt ist die Polizei eh recht präsent. Wären mir keine extra Polizeiwagen aufgefallen.

      Aber in jedem Fall traurig, ich würde mir das anders wünschen. Schlimm auch für die Passantin, die wohl einfach so dran glauben musste, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war.

      @Kaibear

      Nochmal wegen dem "wegen einer Religion was gegen einen machen". Ich kann mich täuschen, aber ich glaube, dass man in der rechtsextremen Szene nicht sooo viel über jüdische Theologie weiß. Klar, Feiertage wird man kennen oder rausfinden, um möglichst viel Schaden anrichten zu können. Aber ich denke, deren Antisemitismus ist nicht religiöser Natur. Da wird es vermutlich eher um so Zeugs wie "jüdische Weltherrschaft" oder Unterwanderung gehen.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „TheKillingJoke“ ()

      Kaibear schrieb:

      Ich bin nur überrascht, wie heutzutage noch religiöser Fanatismus herrschen kann. Sei es aus Religion sowas zu machen oder gegen Religion sowas zu machen. Mittelalterlich. Primitiv.


      Für manche ist Religion eben zeitlos. Selbst die Bibel, die immer von Offenbarung und Hölle redet, wird ihre Werte nicht aufgrund unserer modernen Gesellschaft ändern. Unter anderem wird ja auch immer gepredigt, keine anderen Götter neben sich zu dulden, das ist einfach das was gelehrt wird.
      Die religiösen Bücher, in denen letztendlich das Wort Gottes steht, trägt einen grossen Teil dieser Konflikte bei.
      Mit Religion hat der Anschlag nicht viel zu tun. Die Tat wurde - wie bei Christchurch und El Paso - ins Internet gestreamt und der Täter hat seine Ansichten mitgeteilt: Antisemitisch, antifeministisch, rassistisch und gegen Einwanderung. Er hat dabei auf Englisch gesprochen, will also international verstanden und wahrgenommen werden. Genau wie bei Christchurch und El Paso geht es also nicht um Religion sondern um Sichtbarkeit und darum, ein Symbol zu sein - ein Märtyrer. Man kann die Tat als nationalistisch motiviert klassifizieren und eine Internationalisierung des rechten Terrors feststellen.

      Erstmal unter Vorbehalt bei weiteren Entwicklungen und Erkenntnissen.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Ich habe eben die Videos, die der Typ gestreamt hat, gesehen. Was ein verdammter, kranker Wichskopf.

      Man kann einfach nur froh sein, dass der Typ komplett unfähig war (bis leider auf die zwei Todesopfer) und die Waffe hat Dutzend Male geklemmt, obwohl er in der Nähe von Menschen war. Der Sprengsatz hat wohl auch nicht funktioniert.

      Die Frau, die er erschossen hat, hat ihn wohl, als er einen Sprengsatz legen wollte, für einen Halbstarken Böller Sprenger gehalten. Der Typ, den er im Dönerladen erschossen hat geht da selbst mir auf die Nieren. Und ich habe im Netz schon viel gesehen.

      Was eine elendige Kreatur dieser "Mensch" ist.

      @GregMcKenna nebst des Englischen hat er sich selbst im Stream auch 'Anon' genannt, was wohl mal wieder das Licht auf /pol richten wird.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Kaibear“ ()

      Ratty schrieb:

      Kaibear schrieb:

      Ich bin nur überrascht, wie heutzutage noch religiöser Fanatismus herrschen kann. Sei es aus Religion sowas zu machen oder gegen Religion sowas zu machen. Mittelalterlich. Primitiv.


      Für manche ist Religion eben zeitlos. Selbst die Bibel, die immer von Offenbarung und Hölle redet, wird ihre Werte nicht aufgrund unserer modernen Gesellschaft ändern. Unter anderem wird ja auch immer gepredigt, keine anderen Götter neben sich zu dulden, das ist einfach das was gelehrt wird.
      Die religiösen Bücher, in denen letztendlich das Wort Gottes steht, trägt einen grossen Teil dieser Konflikte bei.


      An einen einzigen Gott zu glauben, könnte aber auch zum Gedanken führen, dass dieser Gott für alle Menschen da ist, unabhängig davon, wie verschieden sie alles interpretieren.

      Biblischen Antisemitismus gibt es aber natürlich trotzdem. Da würde es aber auch nicht schaden, mehr über Entstehungszeit und Hintergründe der Texte zu wissen. In jedem Fall war das aber mit Futter für den mittelalterlichen Antisemitismus in Europa.

      Und es stimmt schon auch, dass es immer noch viele religiös aufgeladene Konflikte auf der Welt gibt. Aber das in Halle würde ich nun wirklich nicht mit einem Religionskonflikt in Verbindung bringen. Europa ist seit zweihundert Jahren säkularisiert. Trotz der religionsunabhängigen Werte haben wir immerhin zwei Weltkriege prima hinbekommen. Von anderem ganz zu schweigen. Antisemitismus ist noch da, aber was Europäer angeht, speist er sich nicht mehr aus der Religion. Das sind Denkmuster aus dem Dritten Reich.
      Ja, das hat ziemlich wenig mit Religion zu tun und alles mit sogenannten "Rassenhass" von Leuten, die immer noch nicht verstanden haben, dass Rassen ein künstliches Konstrukt sind.

      Ich frage mich nun erst mal, wie der Typ eigentlich an die Ausrüstung gekommen ist. Ich weiß ja, dass es in Deutschland haufenweise illegale Waffen gibt, aber ein Sturmgewehr? Wer gibt diesen Idioten die Informationen, wie man an so etwas rankommt?
      Ich glaube auch nicht, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hatte. Wer weiss denn (jetzt) schon, wohin der Typ nach dem Attentat hin wollte? Vielleicht bei seinen Freunden in den Untergrund gehen?


      "My country did not send me 5,000 miles to start the race; they sent me 5,000 miles to finish the race."
      John Stephen Akhwari

      Peaky Blinders / Friends / The Big Bang Theory

      swanpride schrieb:

      Ich frage mich nun erst mal, wie der Typ eigentlich an die Ausrüstung gekommen ist. Ich weiß ja, dass es in Deutschland haufenweise illegale Waffen gibt, aber ein Sturmgewehr? Wer gibt diesen Idioten die Informationen, wie man an so etwas rankommt?

      Bundeswehr und Polizei. Klick. Klack.

      Aber erinnern wir uns kurz an Walter Lübcke. Und daran, dass Leichensäcke und Ätzkalk eingelagert wurden. Dass Munition bei BW und Polizei fehlt. usw. usf.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Darknet. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Ein Sturmgewehr kriegst du hier selbst mit allerlei Jagdlizenzen nicht. Da musst du entweder auf Bundeswehr oder Polizeiausrüstung Zugriff haben. Wie der Typ sich in den Videos gab, kann er wohl keinen Beruf in den Sparten haben können.

      Es war ja nicht nur ein Sturmgewehr. Die zweite Waffe kann ich nicht identifizieren. Ist irgend eine Art Schrotflinte, die allerdings wohl ein Großes Kaliber verschießt. Fast wie ein Granatwerfer. Glaube aber auch, dass da keine Streuung bei war. Er hat das für Schüsse auf der Straße genutzt mit Zielen, die Hunderte Meter entfernt waren. Das Ding hat reihenweise geklemmt. Das wäre sonst im Dönerladen ein Blutbad geworden.

      Mit der Waffe scheint er das Opfer im Dönerladen erschossen zu haben. Das Opfer auf der Straße hatte er mit dem Sturmgewehr erschossen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Kaibear“ ()